Andacht Januar 2024

Predigtarchiv

Andacht Januar 2024

31.12.2023

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Bibeltext: Jesus wird in den Tempel gebracht

nacherzählt: Das Lukasevangelium erzählt die Weihnachtsgeschichte mit Maria und Josef, die sich auf den Weg nach Bethlehem der Volkszählung wegen machen müssen. Nur in einem Stall kommen sie unter. Dort gebiert Maria das Kind. Engel verkünden den Hirten: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Davon überzeugen sie sich. Nach acht Tagen bringen Josef und Maria das Kind in den Tempel, wie es jüdische Sitte ist. Dort treffen sie auf einen alten gottesfürchtigen Mann. Ihm hatte Gott versprochen: „Du wirst den Heiland zu sehen bekommen.

Lukas 2,28-32 (Basisbibel):
28Simeon nahm das Kind auf den Arm. Er lobte Gott und sagte:
29„Herr, jetzt kann dein Diener in Frieden sterben, wie du es versprochen hast.
30Denn mit eigenen Augen habe ich gesehen: Von dir kommt die Rettung.
31Alle Welt soll sie sehen –
32ein Licht, das für die Völker leuchtet und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt über deinem Volk Israel.“

Gedanken

Liebe Leser und Leserinnen!
Manchmal traue ich meinen Augen nicht, nämlich dann, wenn etwas ganz Unerwartetes geschieht. Es gibt wundervolle Überraschungen: Ein Mensch sagt, dass er mich mag; ich stolpere, aber falle nicht; ein Wich-telgeschenk liegt vor der Tür. Setzen Sie fort, wo Sie freudig überrascht worden sind.
Auf die nicht so schönen Überraschungen freue ich mich nicht. Die will ich jetzt auch gar nicht ausmalen. Wir sind mitten in der Weihnachtszeit. Die Weihnachtsgeschichte selbst erzählt von Menschen, die davon ein Lied singen können: Maria - hochschwanger - muss durch die Lande ziehen, nur weil es die Volkszäh-lung vorschreibt. Josef hatte dazu bestimmt auch keine Lust. Der Stall als Geburtshaus, na ja … Von Hei-meligkeit keine Spur. Warum fühlt sich die Geschichte so anrührend an? Sehr unterschiedliche Menschen machen sich auf den Weg. Lukas erzählt von Hirten, die nicht zur Oberschicht gehörten. Matthäus von den Weisen von weit her. Die Menschen treffen sich nicht im Stall. Aber sie alle treffen auf dieses Kind. Jesus wird später Christus genannt werden, derjenige, der Heil bringen wird allen nicht so schönen Über-raschungen und Schlimmerem entgegen. Das sehen sie alle, von denen Matthäus und Lukas berichten.
Lukas erzählt aber noch weiter. Es geht um Geduld und um tiefes Vertrauen zu Gott. Der alte Simeon hatte Gottes Verheißung im Ohr: Er würde den Heiland zu sehen bekommen. Darüber war er richtig alt gewor-den. Viel hatte er gesehen, aber noch nicht den Heiland. Das hielt ihn nicht davon ab, Gott zuzutrauen, dass er sein Wort bewahrheitet. Als er das Kind im Arm hält, spricht er: „Meine Augen haben meinen Heiland gesehen.“ So übersetzt es Martin Luther. Er fragt sich gar nicht, ob er seinen alten Augen trauen dürfe. Er weiß, jetzt war es so weit.
Als Lukas sein Evangelium aufschreibt, waren die Geburt, aber auch die Kreuzigung Jesu schon lange vor-bei. Er will davon berichten, dass dieser Gekreuzigte, dass Gott zu den Menschen gekommen ist, zugehört und gehandelt hat. Arme und Benachteiligte waren ihm wichtig. Begüterte hat er als Menschen wahrge-nommen. Und allen hat er erzählt von Gott, der Krieg und Unheil nicht will, die Menschen immer wieder anzetteln. Er hat vorgelebt, wie Frieden und Gerechtigkeit funktionieren. Das alles steckt in dem kleinen Wörtchen „Heil“ und noch mehr. Noch mehr? Lukas weiß nicht nur um die Kreuzigung, sondern auch um die Auferstehung Jesu. Alles was er aufschreibt, hat diesen Blickwinkel: Leben, über den Tod hinaus, wie es sich kein Mensch vorstellen kann. Das erkennt der alte Simeon in diesem kleinen Kind, das Maria ihm in die Arme gelegt hat. Ein Lied kommt ihm über die Lippen (nun aus der Übersetzung der Basisbibel): „Mit eigenen Augen habe ich gesehen: Von dir kommt die Rettung. Alle Welt soll sie sehen – ein Licht, das für die Völker leuchtet und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt über deinem Volk Israel.“ Amen.

Gebet
Gott, du bist Mensch geworden wie wir, angreifbar und sterblich.
Du hast dich taufen lassen. Du hast dich uns zur Seite gestellt.
Dir vertrauen wir uns an.

Du lebst, Gott, und willst, dass wir auch leben.
So bitten wir dich für uns: Hilf uns, so zu leben, dass andere uns deine Freundschaft ansehen.

Du sammelst Menschen, Gott. So bitten wir dich für deine Kirche weltweit:
Hilf uns, dich nachzuahmen. Hilf uns, immer wieder neue Anfänge zu setzen
und mit langem Atem zu begleiten.
Hilf uns, dich auch da nachzuahmen,
wo entschieden gegen Unrecht und Gewalt gehandelt werden muss.

Du schenkst unserer Welt Zeit, Gott, an jedem neuen Tag.
Darum bitten wir dich für alles Leben inmitten deiner Schöpfung: Schütze es.
Hilf uns einander als deine Lebewesen zu achten.
Gib allem Leben, das beginnt, die Chance sich zu entwickeln.
Nimm alles Leben auf in deinen Frieden, wenn unsere Zeit zu Ende geht.

Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Gott segne alles, was dir am Herzen liegt.
Gott segne alles, was in dir heilen will.
Gott segne alles, was Licht in die Welt bringt.
So segne dich Gott heute, morgen und allezeit. Amen.
Amen.

Gott behüte Sie im Jahr 2024!

Herzlich grüßt Sie
Superintendentin Hiltrud Anacker

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