Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juni 2024

Predigtarchiv

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juni 2024

01.06.2024

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leser und Leserinnen!

Stellen Sie sich vor: Zwei reden, jeder im Namen Gottes – aber sie erzählen Gegensätzliches. Was soll daraus werden!? Diejenigen, die sich Orientierung von Gott wünschen, werden verwirrt sein. Diejenigen, die ohnehin nichts vom Glauben an Gott halten, werden sich kopfschüttelnd abwenden. Genau das ist
geschehen im 6. Jahrhundert vor Christus im sogenannten Südreich von Israel. Wir hören nur die eine Seite. Die spricht über die andere …

Text
So spricht der Herr Zebaot: Hört nicht auf die Worte dieser Propheten! Mit ihrem prophetischen Gerede täuschen sie euch. Sie verkünden euch, was ihnen ihr Herz einflüstert. Nichts davon kommt aus dem Mund des Herrn. Sie beruhigen diejenigen, die mich verachten, und behaupten immer und immer wieder: "Der
Herr hat gesprochen: Ihr werdet in Frieden und in Sicherheit leben." Auch für jeden, der seinem sturen Herzen folgt, haben sie dieselbe Botschaft: "Es wird kein Unheil über euch kommen!" Diese Propheten haben keinen Auftrag von Gott. Aber wer von ihnen stand vor dem Herrn? Wer gehört zum Kreis seiner Vertrauten, sodass er sein Wort sehen und hören kann? Wer hat auf sein Wort geachtet? Wer hat es wirklich gehört? Seht her: Der Sturmwind bricht los. Die Wut des Herrn wirbelt alles durcheinander und braust über die Köpfe der Frevler hinweg. Der Zorn des Herrn wird nicht aufhören zu wüten, bis er alles vollbracht hat – bis er getan hat, was sich der Herr in seinem Herzen vorgenommen hat. Wenn es so weit ist, werdet ihr das alles begreifen. (Jeremia 23, 16 - 20)

Nach diesem Donnerwetter muss man erst einmal tief Luft holen. Wer spricht hier eigentlich? Der ProphetJeremia spricht hier, derjenige, den nicht viele hören wollten. Er fordert den König des Landes dazu auf, sich den Babyloniern zu ergeben, das sei Gottes Wille. „Unterwerft euch Babylon, um Schlimmeres zu verhüten!“ Das ist sein Rat. Die Könige in dem kleinen Land hatten die Entscheidung zu treffen, mit wem man am besten paktiert. Verzweifelt versuchen sie, den eigenen Machtbereich zwischen den Großmächten zu verteidigen. Neben Jeremia reden offensichtlich andere Propheten. Sie verkündigen Heil, wenn das Land sich mit der anderen Großmacht verbünde. Das sei Gottes Wille. „Hört nicht auf Jeremia, Heil steht euch bevor! Euch wird es gut gehen - wenn ihr euch Ägypten anschließt.“ Wer hört schon gern schlechte Nachrichten. Wenn Jeremia Recht hat, dann würde Israel untergehen. Kann Gott das wollen? Das können sie sich nicht vorstellen, oder sie hören einfach nicht hin. Die Versuchung ist groß der anderen Botschaft zu folgen. Der König fühlt sich davon gut beraten. Auch die anderen finden das gut. Sie suchen Heil bei den Ägyptern. Zwei Parteien sprechen. Sie verkünden genau Gegensätzliches. Im Nachhinein können wir gut reden. Wir wissen, wie die Geschichte weiter ging: Die Ägypter unterlagen im Kampf mit den Babyloniern. Alle kleinen Länder dazwischen – auch Israel – gerieten unter die Vorherrschaft Babylons. Jeremia beurteilte seine Zeit richtig. Eigentlich spricht gar nicht er. Gott spricht. Wo aber ist Gott, wenn Jeremia Recht hat? Ist Gott auch noch im Untergang zu finden?
Sehr unterschiedliche bis gegensätzliche Botschaften kennt die Menschheit bis heute. Überall sehen wir in diesen Wochen Plakate an den Straßenlaternen. Sie alle versprechen, was sie dem Land Gutes tun wol-len. Wer kann die Versprechen halten? Welche Botschaft stimmt? Es wäre vermessen zu sagen, diese Wahlversprechen werden "im Namen Gottes" gegeben. Das werden die Politikerinnen und Politiker vermutlich auch nicht von sich selbst behaupten. Aber sie setzen Ziele, weil sie gewählt werden wollen. Sind es Ziele, die Kommunen und Sachsen auf dem Weg der Demokratie voranbringen und – vom Glauben her betrachtet – der Botschaft Gottes entsprechen? Und außerhalb der Politik? Von uns werden immer wieder Entscheidung abverlangt: Familiär, beruflich, … Wir sammeln Informationen. Was will Gott? Ehr-lich: Diejenigen, die an Gott glauben, wissen nicht immer, was richtig ist. Es gilt zuzuhören und abzuwägen. Wir stellen fest, so eindeutig finden wir oftmals keine Antwort. Manchmal treffen wir Entscheidungen vom Kopf her und manchmal aus dem Bauch, meist wird es wohl eine Mischung sein. Gott können wir nur so einbeziehen, wie wir ihn gerade verstanden haben. Die Geschichte wird zeigen, was richtig war.
Fazit des Textes für mich: Gott spricht – damals wie heute. Hören wir genau hin. Es kann sein, wir hören falsch. Aber ich bin überzeugt. Selbst wenn ich eine falsche Entscheidung treffe, geht Gott mit. Er lässt neues Leben wachsen, auch wenn etwas richtig schief gegangen ist. GOTT SEI DANK!!! Wichtig ist, sich Gott immer und immer wieder neu zuzuwenden und nach seinem Willen zu fragen.
Amen.

Gebet
Guter Gott, wir kommen mit unserem Gebet zu dir.
In unserer Welt gibt es viele laute Stimmen.
Lehre uns, die Stimmen zu unterscheiden, damit wir deinen Willen tun.
Schaffe Frieden, und zeige uns, wo wir Frieden stiften können.
Wir bitten um Gerechtigkeit, und lehre uns, gerecht zu sein.
Wir bitten für die Umwelt, und hilf uns, deine Schöpfung zu bewahren.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben