Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 30. August 2026: „Schaut hin!“

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Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 30. August 2026: „Schaut hin!“

29.08.2026

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Sieben Helfer für die Apostel

In dieser Zeit wuchs die Zahl der Jünger stetig. Doch bald wurden in der Gemeinde Klagen laut. Sie kamen von den Griechisch sprechenden Mitgliedern, die aus anderen Ländern zugezogen waren. Die warfen den Hebräisch sprechenden Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen. Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten: »… Brüder und Schwestern, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe (die Verteilung des Essens) übertragen.« Der Vorschlag fand die Zustimmung der ganzen Versammlung. Sie wählten … Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf. Das Wort Gottes breitete sich aus. (Apostelgeschichte 6,1ff)

Liebe Leser und Leserinnen!

Schaut hin

Diese Aufforderung fiel mir ein, als ich mich mit der Erzählung von der Wahl der sieben Diakone in der Apostelgeschichte beschäftigt habe.

Schaut hin – worum geht es eigentlich?

Die Freunde von Jesus, die „Zwölf“, wie sie in der Apostelgeschichte genannt werden, hatten nach der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu durch Gottes Geist Mut bekommen. Sie erzählten von dem, was sie mit ihm erlebt und von ihm gelernt hatten. Eine erste christliche Gemeinde entstand. Von der Gütergemeinschaft, die sie vereinbart hatten, ist an unserer Stelle keine Rede mehr. Das war ein schönes Vorhaben, aber vielleicht hat es nicht funktioniert. Von Nichteinhaltung wird berichtet. Vielleicht wurde die gemeinsame Kasse auch zu schnell leer. Wer weiß. Immerhin: Es war klar, arme Mitglieder müssen unterstützt werden. Aber auch da entstand eine Unwucht. Manche wurden übersehen. Um dem abzuhelfen, wurden sieben Personen gewählt, die die Aufgabe der gerechten Aufteilung der Essensausgabe übernahmen. Scheinbar sprach sich diese Handlungsweise herum, denn „das Wort breitete sich aus.“ Will heißen: Menschen fanden das so gut, dass sie sich der Gemeinde anschlossen – eine Predigt durch die Tat.

Schaut hin – diakonische Aufgabe der Kirche

Kann man aus dieser alten Geschichte etwas für uns Menschen ableiten? Der letzte Sonntag im August ist der sogenannte „Diakonie“-Sonntag. Eine christliche Gemeinde heute erzählt auch von Gott, natürlich. Sie erzählt von der Kreuzigung und der Auferstehung von Jesus, was von ihm in der Bibel überliefert wurde und was das für uns Menschen heute bedeuten kann. Aber christlich sein, bedeutet zugleich zu schauen, nämlich dorthin, wo Menschen arm sind, Hilfe brauchen. Die Witwen vor fast 2000 Jahren hatten es überhaupt schwer, weil sie kaum Rechte hatten. Sie gehörten zu den schwachen Gliedern in der Gesellschaft. Deshalb benötigten sie Unterstützung. Einige von ihnen wurden aus welchem Grund auch immer übersehen. Dies zu verändern, wurde Aufgabe der Diakone, der Helfer der Zwölf. Wer wird he übersehen? Jede Kirchgemeinde hat diakonische Aufgaben. Professionell aufgestellt hat sich die Kirche heute mit ihren Diakonie-Werken. Sie schaut hin, um Menschen zu helfen, die grundsätzlich, oder bedingt durch eine bestimmte Situation auf Unterstützung angewiesen sind. Wort und Tat – beides erzählt von dem, was Gott für Christen bedeutet.

Schaut hin – hat das etwas mit mir zu tun?

Sie werden denken: „Die Antwort, die Frau Anacker geben wird, kenne ich schon. Natürlich.“ Und ich kann gar keine andere Antwort geben. In Jerusalem fingen einige an zu murren. Man kann laut oder leise murren. Immer ist damit eine Unzufriedenheit verbunden. In der Jerusalemer Gemeinde murrten sie zu Recht. Damals waren es arme Frauen, die Hilfe brauchten. Heute würde man sagen, sie hatten keine Lobby. Welch ein Glück, dass es doch noch jemand gab, der sich für sie einsetzte. Es war richtig, ein System aufzubauen, dem Mangel abzuhelfen. Wer wird heute übersehen trotz unseres dichten Sozialnetzes? Wer braucht heute diejenigen, die auf sie hinweisen, damit ihnen geholfen werden kann? Es reicht nicht, diese Aufgabe Ämtern und Trägern wie der Diakonie und anderen zu überlassen. Da kommen Sie und ich ins Spiel. Viele Augen und Ohren nehmen mehr wahr. Wenn uns nicht egal ist, wenn andere übersehen werden, werden auch weniger übersehen – Sie oder ich übrigens auch nicht, wenn wir hilfsbedürftig sind. Auch wenn es Leute gibt, die die Hilfsbereitschaft anderer manchmal ausnutzen, es gibt gute Beispiele zu erzählen von Menschen, wie ihnen geholfen werden kann und die ihre Dankbarkeit zeigen, die sind so schön.

Es helfen auch Menschen, die keine Christen sind, und das ist so wichtig. Christen helfen, weil Jesus eine solche Haltung vorgelebt hat. Diakonie gehört eben dazu.

Amen.

Gebet

Gott, du siehst uns an.
Du siehst, was wir brauchen,
was uns bewegt.

Den Nächsten, die Nächste liebevoll anschauen, das erwartest du auch von uns.
Mit dir, wollen wir uns mit den Fröhlichen freuen, und mit den Traurigen weinen,
so wie es ihnen und uns guttut. 

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne dich, ob du nun fröhlich oder traurig bist.
Gott führe dich und lasse dich seinen Weg mit dir erkennen.
Der Friede Gottes sei bei dir, wo du gerade bist.

Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin Kirchenbezirk Freiberg

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