Andacht für die Woche des 2. Sonntags nach Epiphanias

Predigtarchiv

Andacht für die Woche des 2. Sonntags nach Epiphanias

13.01.2024

zu Lukas 9, 62; von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

Liebe Leserin, lieber Leser,

Lautes hupen in Freiberg. An Grumbach mit 40km/h hinter einer Kolonne von Traktoren her. Aufregung. Unruhe. Die friedvolle Weihnachtszeit endgültig dahin. Bauern demonstrieren. Die verschiedenen Nachrichten im Fernsehen und Radio zeigen es schon viele Tage. Sie fordern Unterstützung beim Sprit, weniger Bürokratie, weniger knallharte Konkurrenz.

Wie geht es Ihnen damit? Kommen Sie aus der Landwirtschaft? Verstehen Sie die Anliegen der Bauern, spüren große Solidarität? Oder gehen Sie innerlich mehr auf Abstand, können die Forderungen nicht nachvollziehen? Oder berührt sie so eine öffentliche Demonstration nicht weiter? Würden Sie noch lieber die letzte Weihnachtsstimmung genießen?

Manches kann ich als Pfarrer gar nicht beurteilen, anderes ist mir einleuchtend. Ich kenne mich nicht gut aus in der Landwirtschaft. Aber ich nehme die Wut der Bauern wahr und ernst. Es sind doch echte Ängste und Sorgen: kann ich im Konkurrenzkampf überleben? Wie kann eine lange Familientradition erhalten werden? Wer gibt mir Kraft bei all den mühsamen Arbeiten im Stall und auf den Feldern? Wie kann ich bei den vielen unverständlichen Formularen, der Menge an Auflagen noch den Durchblick behalten?

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lk 9,62) – sagt Jesus einmal. Er hatte die Bauern im Blick. Jesus konnte sich hineinversetzen in die harte Arbeit. Die Tatkraft der Bauern war für ihn sogar das Vorbild für das Reich Gottes.

Für mich könnte das aktuell bedeuten:

- Respekt für die Arbeit der Bauern.

- Die Probleme müssen realistisch angegangen werden.

- Nicht jeder Wunsch kann bis ins Letzte erfüllt werden. Kompromisse müssen gefunden werden. Es braucht gegenseitiges Verständnis und gute Lösungen. Durchhaltevermögen.

- Und dann: Behaltet das Reich Gottes im Blick. Das ist Jesu Ziel. Erst dort werden alle Probleme gelöst sein.

Mitten im Hupkonzert: auf einmal läutet die Abendglocke am Dom, sie mischt sich mit den Huptönen der Traktoren und überstrahlt sie. Ich freue mich. Für mich ist ihr klarer Klang ein unverhofftes Zeichen: es ist Abend, es ist Zeit nach Hause zu gehen, Zeit für die Ruhe. Und es erinnert mich: unser Tagwerk auf dieser Welt hat ein Ende. Der Tag ist in Gottes Hand und auch sein Ende. Ich erinnere mich: das Ziel ist doch das Reich Gottes. Amen.

Gebet
Gott, wir bitten dich für die Welt und uns:
Um Liebe ohne Hintergedanken.
Um die Kraft, das Böse beim Namen zu nennen.
Um die Freude, sich dem Guten in die Arme zu werfen.

Gott, wir bitten dich für die Welt und uns:
Um Liebe untereinander.
Um Fröhlichkeit in der Hoffnung,
um Begleitung in schweren Zeiten.

Gott, wir bitten dich für die Welt und uns:
Um Gastfreundschaft und Segen für die Verfolgten.
Um Freude mit denen, die glücklich sind.
Um Mitgefühl mit denen, die leiden.
Um die Fähigkeit, an einem Strang zu ziehen.
Weg von den Mächtigen, hin zu denen, die klein gemacht werden.
Gott du bist die Liebe. Wir bleiben in dir und du in uns.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Mögen Gnade und Barmherzigkeit Gottes
für dich wie der Himmel sein,
der stets über dir bleibt, wo immer du auch bist.
Möge der Frieden Gottes dich stets so beglücken
wie die Lichter am Himmelszelt.
Möge der Segen Gottes dir sein
wie die Größe des Himmels.
Denn die Unbegreiflichkeit und Schönheit seiner Werke
sind uns Zeichen für die Güte, Liebe und Größe unseres Gottes.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben