Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 9. Juni 2024

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Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 9. Juni 2024

08.06.2024

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Bibeltext
19So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, 21auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. 22Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Ephesser 2, 19 - 22)

Liebe Leserinnen und Leser,
„Die Kirche braucht keine Kirche“ - sage ich. Wenn Sie das lesen, würde ich gern in Ihre Köpfe schauen. Das geht leider nicht. So bleibt mir nur meine Phantasie zu Ihren Gedanken: „Was soll denn das!“ „Da steht sie (fast) jeden Sonntag auf der Kanzel in einer Kirche, und dann sagt sie so etwas!“ „Natürlich brau-che wir eine Kirche. Wir brauchen einen Ort, an dem Gottesdienste gefeiert werden, wo Menschen singen und hören und beten können! Wo soll sich die Gemeinde sonst versammeln?“ Ich stelle mir Protest vor.
Die Christen des 1. Jahrhunderts nach Christus hatten keine Kirchen. Sie mussten sich nicht mit Bauanträgen und Denkmalschutz beschäftigen. Sie hatten ganz andere Probleme. Sie waren eine kleine Gruppe. Die einen waren ursprünglich Juden, die anderen ursprünglich Heiden, also Menschen, die andere Götter anbeteten. Ihre gemeinsame Frage: Wann kommt Jesus denn endlich wieder? Wann wird die Welt, das Leben und überhaupt alles gut, heil. Bauprobleme standen nun wirklich nicht im Vordergrund! Trotzdem spricht der Autor vom Bauen, vom Bau der Wohnung Gottes. Der Autor vergleicht Jesus Christus mit dem Eckstein, der Stabilität in den Bau bringt. Diejenigen, die zur Gemeinde gehören, sind die anderen Bausteine, aus denen sich die Wohnung Gottes, der heilige Tempel in dem Herrn“, zusammensetzt – ein Vergleich/ein Bild für die christliche Gemeinde.
„Die Kirche braucht keine Kirche.“ Sie entschuldigen, aber streng genommen stimmt der Satz schon. Gott braucht keine Häuser, keinen Dom, keine Dorfkirche, kein Gemeindehaus. Der Autor, der sich theologisch in der Linie mit dem Apostel Paulus sieht, beschreibt die Kirche als ein Haus aus lebendigen Bausteinen, bestehend aus jedem und jeder, die zur Gemeinschaft derer gehören, die an Jesus Christus glauben, Sie und ich und viele andere. Wir alle brauchen unseren ganz eigenen Platz. Welches ist der Ihre? Wo fühlen Sie sich eingebaut? Wo können Sie dem Bau wenigsten ein kleines bisschen Stabilität verleihen? An welcher Stelle fühlen Sie sich am richtigen Ort? Oder fühlen sich fehl am Platz? Wo möchten Sie mitbauen am Haus, das sich um den Eckstein Jesus zusammensetzt? Traurig wäre, wenn Sie das Gefühl haben, nicht so richtig Zuhause zu sein. Dann hätten wir zusammen viel zu tun, um dies miteinander zu ändern. Christen jeder Generation haben einiges zu tun, um weitere Menschen einladen zu können in diese Wohnung Gottes und diese weiter zu bauen. Der Bau ist ein Prozess.
Nein, „Kirche braucht keine Kirche.“ Übrigens mag ich die Gebäude ganz gern. Ich mag diese Orte als Orte für Gottesdienste oder einfach nur schlichte Gebete. Aber Kirche ist mehr. Die Kirche setzt sich zusammen aus denen, die an Jesus Christus glauben. Wir sind die wirklichen Bausteine. Wir sind nicht vollkommen. Da muss immer mal etwas repariert werden, wenn Menschen ein Schattendasein führen, wenn der Putz bröckelt, wenn wir in Gefahr kommen, das Zentrum unseres Glaubens zu verstellen. Aber Gott will die lebendigen Bausteine – mit Christus als Eckstein, der Halt gibt. Von diesem Eckstein predigen auch unsere Kirchen: Dom, wie Dorfkirche oder Gemeindehaus. Sie erzählen von der Botschaft vom Kreuz als Botschaft des Lebens und des Friedens. Davon schreibt der Ephesserbrief vor den Sätzen, die oben abgedruckt sind. Gott will zusammen mit denen in der christlichen Gemeinde, mit uns, eine Hausgemeinschaft bilden.
Zusammen dürfen und sollen wir an diesem „Tempel“ weiter bauen. „Die Kirche braucht keine Kirche, aber uns.“
Amen.

Gebet
Gott, zeig uns den Weg zur Quelle des Lebens!
Öffne uns die Augen für dein Licht in unserem Leben!
Breite deine Flügel aus, wenn das Leben mühsam ist und wir Zuflucht suchen.
Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist komme über dich und bleibe bei dir jetzt und alle Zeit. Der Friede Gottes sei bei dir.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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