Andacht zum 2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimae), 4. Februar 2024

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Andacht zum 2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimae), 4. Februar 2024

03.02.2024

von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Liebe Leserinnen und Leser,
oft erzählt Jesus Geschichten, wenn er den Leuten etwas erklären will. Sie spielen in dem gewohnten Lebensumfeld der Menschen damals. Heute erzählt er eine Geschichte von einem Sämann. Lukas hat sie aufgeschrieben:
„Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen`s auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten`s. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Das ist doch nicht normal! Wir haben gerade ein Gleichnis gehört, das wohl jeden Kaufmann und jeden Bauern und jeden Menschen, der wirtschaftlich denkt, dazu bringt, sich kopfschüttelnd abzuwenden. ¾ der Saat gehen nicht auf.
75% Verlust. Das ist doch nicht normal. Vermutlich würde jeder Unternehmensberater dringend dazu raten, das Geschäft abzustoßen, zu schließen, sich zu trennen.
Ich habe von Landwirtschaft wenig Ahnung, aber ich kann mir gut vorstellen. Ich sehe einen Bauern vor mir, der über sein Feld geht. Er trägt vor seinem Bauch einen Sack, in dem Saatgut ist, und das wirft er in weitem Bogen auf das Feld. Da ist nicht die Rede von modernen Maschinen, die genau dosieren, was wohin fällt. Da ist nichts zu lesen von Pflanzenschutzmitteln. Die Rede ist einzig und allein von unterschiedlichen Bodenverhältnissen.
Dieser fast verschwenderische Umgang mit dem Saatgut – das ist nicht normal.
Was ist das für ein Sämann? Was bringt ihn dazu?Jesus beginnt seine Gleichniserzählungen oft mit den Worten: „Mit dem Reich Gottes ist es so wie....“
Beziehen wir das auf unseren heutigen Text, so hieße das: Mit Gottes Reich ist es wie mit dieser Aussaat.
Vorhin habe ich die Frage gestellt – was ist das für ein Sämann? Es ist ein großzügiger, ja fast schon verschwenderischer Sämann. Er streut den Samen überreich aus. Er knausert nicht, ist nicht sparsam, rechnet nicht das Ganze erst mal durch. Und es scheint auch nirgendwo die Überlegung zu sein, ob es sich denn lohnt. Er streut aus. Er gibt. Er schenkt. Mit vollen Händen teilt er aus. Auch dort, wo Felsen ist, auch dort, wo Unkraut und Dornen sind und dort, wo die Vögel sich satt fressen. Wer sät da? Warum ist er so unwirtschaftlich? Kann er sich das leisten? Und warum kann er so viel Liebe verschenken?
Der Samen fällt auf den Boden. Was kann der Boden tun? Von sich aus nichts. Ohne Samen liegt er brach. Wir sind Gottes Kinder, und wir sind darauf angewiesen, dass es diesen Samen gibt, dass es ihn reichlich gibt.  Wir sind der Boden, auf die das Wort Gottes fällt. Wir sind Veränderungen unterworfen auf unserem Lebensweg. Deshalb denke ich, dass jeder von uns in seinem Leben schon einmal Fels war, auch Weg, auch Land, wo Unkraut und Dornen wachsen. Und ich vertraue darauf, dass jeder von uns auch gutes Land ist, wo der Same auf fruchtbaren Boden fällt.
Und so können wir Gott erleben. Als einen, der nicht an seiner Güte spart. Als einen, der nicht fragt, ob es sich denn lohnt, überhaupt anzufangen, weil vielleicht beim letzten Mal die Saat auf Felsen fiel. Nein, Gott versucht es immer wieder. Liebevoll wirbt er um uns, um seine Kinder. Wie ein Vater zeigt er Geduld mit uns. Er teilt mit vollen Händen aus, obwohl, nach menschlichem Ermessen, 75% der Saat verloren gehen. Er ändert nichts daran.
Und wie ist das mit uns? Wie ist das in unserem Umgang miteinander ?
Manchmal liegt es nahe, aufzugeben. Ich denke auch manchmal – das ist ein hoffnungsloser Fall.
Aber es gibt auch andere Erfahrungen, wie Saat aufgehen kann. Das sind oft kleine Dinge, die auf den ersten Blick unscheinbar erscheinen.
Da ist der Platz am Tisch, der einlädt, und der entsteht, weil man zusammenrückt.
Da ist das „Entschuldige bitte, ich hab es nicht so gemeint“, dass der strenge Lehrer über die Lippen bringt.
Da ist die Erfahrung, wie aus Fremden Freunde, Geschwister im Glauben, werden, wie Nähe entstehen kann, wie Freundschaften tragen.
Hundertfache Frucht aus einem Viertel der Saat. Und plötzlich wird das Gleichnis noch einmal ganz anders verrückt, da sehe ich fast ein Lächeln in den Gesichtern der Bauern, die da um Jesus herum standen – und vielleicht auch in Ihren Gesichtern, liebe Bewohner und Mitarbeiter. Hundertfache Frucht. Das ist viel mehr, als das, was zu erwarten gewesen wäre. Das folgt nicht aus unseren Taten. Das ist das, was wir Gnade nennen. Unverdient. Ein Geschenk. Das sprengt jede Dimension. Da geht ja der Himmel über einem auf.
Dann können wir uns verschenken, ohne zu fragen, was ich denn davon habe. Dann können wir  neu anfangen. Dann kann ich das erste Wort finden, das das Schweigen bricht.
Dann können wir Geduld miteinander haben. Dann kann an uns die Freundlichkeit Gottes offenbar werden. Dann können wir treu sein, treu unserem Gott gegenüber und einander.
Gott geht aufs Ganze. Das ist verrückt. Und das verrückt die Maßstäbe. Das verrückt die Welt.
Das bringt sie zurecht.
Amen.

Gebet

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land,
damit wir mit deinem Wort
diese Welt besser machen.
Gib den Einflussreichen wache Ohren,
damit sie dein Wort hören
und dem Frieden dienen.

Gib den Mächtigen gute Herzen,
damit sie dein Wort tun
und die Last der Schwachen mittragen.

Gib den Klugen barmherzige Hände,
damit sie deine Liebe weitergeben.

Ewiger Gott,
mach uns zu einem guten Land.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
dass wir einander beistehen,
damit die Traurigen getröstet werden,
die Sterbenden geborgen sind,
die Verzweifelten aufatmen.

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land
durch Jesus Christus.
Ihn wollen wir hören,
ihm vertrauen wir.
Heute und alle Tage.
Amen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und es behüte uns der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Herzliche Grüße
Ihre Katrin Hutzschenreuter, Prädikantin

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