Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 21. Januar 2024

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Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 21. Januar 2024

20.01.2024

von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

Liebe Leser und Leserinnen!

Wenn ich krank bin, dann fühle ich mich abgeschlagen, matt. Die Symptome haben mich dann voll im Griff. Sie engen mich ein. Ich kreise dann um mich selber. Vereinzelung. Ohnmacht. Leiden.

Und dann erinnere ich mich an verschiedene Gedichte und Lieder in der Bibel, die Psalmen. Da gibt es auch sehr aufwühlende Sätze und Geschichten. Dann aber sind da immer wieder ganz großartige Verse. Einer hat es mir ganz besonders angetan:

Lass den Herrn deinen Weg bestimmen! Vertrau auf ihn! Er wird es schon machen. (Psalm 37,5BB).

Dieser Vers vertreibt mir natürlich nicht meinen Schnupfen oder meine Gliederschmerzen. Aber er holt mich aus meinen Gedankenkreisen heraus. Und ich erinnere mich: „Ja, ich muss zwar leiden, aber es wird auch wieder zu Ende gehen. Dieses Leben ist in Gottes Hand. Aus irgendeinem Grund nimmt mir Gott jetzt meine Kraft weg. Aber irgendwann wird er sie mir wieder zurückgeben. Dann bin ich gestärkt. Dann kann ich wieder ganz normal mein Leben führen.“

Ich wünsche Ihnen natürlich Gesundheit. Und ich wünsche Ihnen Stärkung, wenn Sie krank sind. Ich wünsche Ihnen etwas, das Sie aus der Vereinzelung herausreißt. Ich wünsche Ihnen Gottvertrauen: er wird es schon machen.

Zum Schluss ein Tipp. Es gibt ein sehr schönes Lied im Evangelischen Gesangbuch (Nr.361), Befiehl du deine Wege. Der Lieddichter, Paul Gerhardt, greift diesen Satz aus dem Psalm 37 auf und machte ein ganzes Lied daraus. Ich will Sie ermutigen: lesen oder singen Sie doch einmal diese wunderbaren Strophen.

1) BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

2) DEM HERREN musst du trauen,
wenn dir's soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

3) DEIN ewge Treu und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.

4) WEG hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir's nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

5) UND ob gleich alle Teufel
hier wollten widerstehn,
so wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurücke gehen;
was er sich vorgenommen
und was er haben will,
das muss doch endlich kommen
zu seinem Zweck und Ziel.

6) HOFF, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.

7) AUF, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen Gute Nacht!
Lass fahren, was das Herze
betrübt und traurig macht;
bist du doch nicht Regente,
der alles führen soll:
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl.

8) IHN, ihn lass tun und walten!
Er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
dass du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet,
das dich bekümmert hat.

9) ER wird zwar eine Weile
mit seinem Trost verziehn
und tun an seinem Teile,
als hätt in seinem Sinn
er deiner sich begeben
und solltst du für und für
in Angst und Nöten schweben,
als frag er nicht nach dir.

10) WIRDS aber sich befinden,
dass du ihm treu verbleibst,
so wird er dich entbinden,
da du's am mindsten gläubst;
er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.

11) WOHL dir, du Kind der Treue!
Du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron;
Gott gibt dir selbst die Palmen
in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen
dem, der dein Leid gewandt.

12) MACH ENd, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und lass bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein. Amen.

(EG361 Befiehl du deine Wege)

Gebet
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne und behüte Dich Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Herzlich grüßt Sie
Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

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