Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 30. Juni 2024

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Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 30. Juni 2024

30.06.2024

von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

 

Liebe Leser und Leserinnen!

Jetzt ist es geschafft: die deutsche Nationalmannschaft hat das Spiel gegen Dänemark 2:0 gewonnen. Deutschland ist damit im Viertelfinale. Ein spannendes Spiel mit dem ein oder andere Bangen: Dänemark schießt ein Tor und nur um eine Zehenspitzenlänge war das eine Abseitsposition. Es wurde nicht gewertet. Das gleiche auf der deutschen Seite: ein Tor aber vorher ein Foul. Auch diese Tor zählte nicht. Viele, viele Chancen, aber auch immer wieder Ball-Verluste. Dann der Führungstreffer in der zweiten Halbzeit durch Kai Havertz per Hand-Elfmeter. Jamal Musiala machte durch ein wunderbares zweiten Tor den Sieg in der 68. Minute perfekt.

Es ist schon wahnsinnig: ganz Deutschland, ja ganz Europa schaut bei so einem Spiel gebannt auf die beiden Teams. Ein Wahnsinn, wie viel Verantwortung die Spieler tragen. Auch wenn klar ist, dass am Ende nur eine Mannschaft Europameister sein kann, erwarte ich natürlich den Sieg für die Deutsche National11. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn einer der Spieler einen offensichtlichen Fehler macht und dadurch am Ende die Partie verloren wird. Welche Last muss dieser Spieler ertragen: die Mannschaft macht ihm Vorwürfe, der Trainer und schließlich die ganze Nation.

Kennen Sie selber dieses extreme Gefühl der Last der Verantwortung? Haben Sie das in Ihrem Leben irgendwann empfunden? Wo es darum geht, Erfolg zu haben – ansonsten sind Sie dem Druck der Öffentlichkeit oder anderer Menschen ausgeliefert.

In der Bibel gibt es einen Propheten namens Jeremia – auch er stand unter der Last einer enormen Verantwortung. Gott beauftragt ihn: Er soll allen Menschen Gottes Botschaft nahebringen. Er spürt mit voller Härte diese Last der Verantwortung. Er hadert mit sich. Er hadert mit Gott. Und die Menschen wollen ihn gar nicht hören, ja sie trachten ihm sogar nach dem Leben. Am liebsten würde er aufhören und alles hinschmeißen.

Aber er bleibt trotzdem dran. Gottes Berufung ist ihm eine Last und gleichzeitig aber auch Ermutigung: „HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“ (Jer 16,19) – bilanziert er am Ende seines Wirkens. Gott gibt ihm diese Kraft.

In meiner Wahrnehmung ist die Antriebskraft beim Fußball ja vor allem das Siegesgefühl, der Freudentaumel, Stolz – und natürlich auch der Ruhm und die Siegesprämie. Mit Blick auf den Propheten habe ich den Eindruck, dass es aber doch gut ist noch diese zweite Kraftquelle zu haben, eine Reserve. Denn am Ende wird es nur einen Europameister geben. Und das heißt: alle anderen Mannschaften sind Verlierer.

Was gibt Ihnen Kraft?

Amen.

Gebet

Sie sind eingeladen, das Gebet von Ernst Ginzberg zu beten:

Ich bitte dich, Herr, um die große Kraft,
diesen kleinen Tag zu bestehen,
um auf den großen Wegen zu dir
einen kleinen Schritt weiter zu gehen.

Segen

Gott hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Es segne und behüte Dich Gott der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Herzlich grüßt Sie
Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

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