Andacht zum Johannistag 2024

Predigtarchiv

Andacht zum Johannistag 2024

23.06.2024

von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

Liebe Leser und Leserinnen!

Der 24. Juni ist Tag Johannes des Täufers – sechs Monate vor Heilig Abend. Johannes der Täufer war es, der auf Jesus als den Christus hingewiesen hat. Johannes hat Jesus verkündigt. Am 24. Juni erinnern wir mit ihm: die Tage werden wieder kürzer, bereitet euch auf Jesu Ankunft vor. An seine Geburt erinnern wir am Abend des 24. Dezember.

Johannes drückt diese Verbundenheit mit Jesus so aus: „Jesu Bedeutung wird zunehmen, aber meine wird abnehmen.“ (Jh 3,30)

Wie ist das zu verstehen? Dazu eine Geschichte einer Alltagssituation: Ein Vater hat einen eigenen Betrieb. Und nun will er in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Der Sohn übernimmt den Betrieb und freilich hilft der Vater weiterhin mit aus – er kennt ja die geschäftlichen Verbindungen, er weiß, wie der Laden läuft. Dann kommt der Sohn, der gerade noch die Lehrbank gedrückt hat. Er bringt viel theoretisches Wissen mit. Vieles wird nach den neuesten Theorien ganz anders gehandhabt als zu Vaters Zeiten. Er will neue Impulse setzen, neue Wege gehen. Vielleicht neue Maschinen anschaffen. Neue Marketingstrategien verfolgen. Auf einmal stehen da die beiden Betriebsphilosophien wie Konkurrenzen gegenüber. Was kann der Vater tun? entweder er besteht auf seinem alten Weg (ob gut oder schlecht) oder er bereitet dem Sohn den Weg und lässt ihn in die Verantwortung hineinwachsen (im Guten wie im Schlechten – auf die Gefahr hin, dass er den Betrieb auch an die Wand fahren kann.) 

Wie ist das in Ihrer Familie? Sind Sie mit den Wegen Ihrer Kinder oder Enkelkinder einverstanden? Oder wäre es Ihnen lieber, es würde so weitergehen, wie zu Ihrer Zeit?

Konkurrenz – insbesondere unter Leuten, die sich gegenseitig Schätzen oder aufeinander angewiesen sind – ist eine echte Herausforderung. Wir wollen in einer personellen Konstellation nicht als die Verlierer dastehen, wir wünschen uns, dass unsere eigenen Ideen weitergetragen werden. Neue Perspektiven passen da oft schwer ins Blickfeld. Wir wollen ja gerne weiterhin im Mittelpunkt stehen. Es gibt Situationen im Leben wo wir uns zurücknehmen müssen – auch wenn es uns schwer fällt. Wir müssen den Moment erspüren, wann es dran ist zurückzustecken, dem anderen die Bahn zu überlassen. Ja sogar noch mehr: wir sollen dem anderen den Weg bereiten und dürfen uns über seinen Erfolg, seine Größe freuen.

Johannes sagt: „Jesu Bedeutung wird zunehmen, aber meine wird abnehmen.“ Damit hat er am Ende für Jesus Christus unseren Heiland den Weg gewiesen. Amen.

Gebet

Sie sind eingeladen, drei Strophen des Chorals „Das Jahr steht auf der Höhe“ zu beten:

1. Das Jahr steht auf der Höhe,
die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe
und mach die Mitte gut.
Herr, zwischen Blühn und Reifen
und Ende und Beginn.
Lass uns dein Wort ergreifen
und wachsen auf dich hin.

2. Kaum ist der Tag am längsten,
wächst wiederum die Nacht.
Begegne unsren Ängsten
mit deiner Liebe Macht.
Das Dunkle und das Helle,
der Schmerz, das Glücklichsein
nimmt alles seine Stelle
in deiner Führung ein.

3. Das Jahr lehrt Abschied nehmen
schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen,
nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen
und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen,
das du, Herr, selber bist.

Segen

Das Jahr steht auf der Höhe: Unsere Zeit, die zurückliegt, und die Zeit, die vor uns liegt – Gott möge beides segnen. So lasst uns Gottes Segen erbitten und empfangen:

Herr, segne uns und behüte uns.
Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns, und sei uns gnädig.
Herr, erhebe dein Angesicht auf uns, und gib uns Frieden. Amen

Herzlich grüßt Sie
Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben