29.03.2026
von Pfr. Dr. Gunnar Wiegand
Liebe Leser und Leserinnen!
Sie wissen: die Passionsgeschichte ist schon ganz schön brutal. In allen Details wird nach Jesu Prozess die Folter von Jeses bis hin zum Tod am Kreuz erzählt. So schrecklich das alles ist, ist Sie doch nach christlicher Auffassung ein Herzstück unseres Glaubens. Dass Jesus, Gottes Sohn Qualen leidet und am Kreuz stirbt ist ein Widerspruch und Anfechtung für diejenigen, die sich Gott als Allmächtigen vorstellen. Warum lässt Gott das zu?
Die vier Evangelien deuten diesen Tod auf je unterschiedliche Weise. Mich beeindruckt das Johannesevangelium. Dort wird Jesu Tod sogar als Triumph inszeniert. Jesus spricht kurz vor seinem Tod: „Es ist vollbracht“.
In der Johannespassion von Bach werden ja in den Verlauf der Passionsgeschichte kommentierende Choräle und Arien eingebaut. Ein ganz beeindruckender Text ist eine Arie, die sich an die Geißelungsszene anschließt.
Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken
in allen Stücken
dem Himmel gleiche geht.
Daran, nachdem die Wasserwogen
von unsrer Sündflut sich verzogen,
der allerschönste Regenbogen
als Gottes Gnadenzeichen steht.
Jesu Blut wird mit den Wasserwogen der Sintflut verglichen. Am Ende der Sintflut erschien der Regenbogen als Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen. In anderen Worten: Jesu Blut wird zu einem symbolischen Regenbogen, einem Hoffnungszeichen. Sie können das im beigefügten Bild von Lukas Cranach (in der Weimarer Stadtkirche) gut auf der linken Seite sehen: dort ist Jesu Blut, wie ein solcher Regenbogen dargestellt.
Und damit nimmt Bach dieser grausamen Folter den Schrecken. Und die Widersprüchlichkeit, die Anfechtung werden plausibel gemacht, ja sogar in das fantastische Bild des Regenbogens umgedeutet. Damit wird diese Folter von Jesus zu Trost und Hoffnung. Das möchte ich Ihnen in diese Passionswoche mitgeben.
Amen.
Gebet
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Es segne und behüte Dich
der Allmächtige und Barmherzige Gott:
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.
Herzlich grüßt Sie
Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms
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