23.05.2026
von Superintendentin Hiltrud Anacker
Liebe Leser und Leserinnen!
Das Salz: Sie kennen vermutlich das Märchen von der Salzprinzessin, die ihren Vater mehr liebt als das Salz. Der versteht die Welt nicht mehr, Salz hat doch jeder. So verstößt er seine Tochter so lange, bis Salz wertvoller als Gold ist. Sie kennen auch den Ausgang. Als das Salz ausgeht, werden alle krank. Die Prinzessin kommt zurück und bringt - Salz, das nun wertvoller als Gold ist. Und wie in jedem guten Märchen bekommt sie auch ihren Prinzen.
Das Salz: Es ist ganz schön vielseitig. Es bringt Geschmack, und es kann den Geschmack verderben. Es macht haltbar und kann vor dem Verfaulen schützen. Bis heute wird Fleisch auch gepökelt. Salz verhindert Unfälle (Tausalz im Winter), und es tötet die Pflanzen. Salz brennt in einer Wunde und hilft in den Heilbädern der Welt. Salz reinigt.
Jesus vergleicht seine Freunde mit Salz. "Ihr seid Würze/Format für diese Welt". In der Bergpredigt, einem sehr wichtigen Abschnitt im Neuen Testament, spricht Jesus: "Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten." (Mt. 5,13)
Ich stolpere beim Lesen über zwei Stellen: 1. Es gibt kein Salz, das nicht mehr salzen kann. Unsere Erfahrung und der Chemieunterricht haben uns gelehrt: NaCl bleibt NaCl, auch wenn es feucht geworden ist. 2. Die Zusage „Ihr seid das Salz der Erde“ kann hochmütig machen, als wären nur die Christen bedeutsam für unsere Welt. Das möchte ich nicht. Aber mir gefällt an Jesu Aussage: 1. Jesus traut seinen Anhänger zu, Charakterstärke zu haben, nicht fade zu sein. 2. Gott sagt: "Ihr seid wichtig, ihr seid wertvoll, ihr müsst euch nicht verstecken!" Die Welt dreht sich auch ohne mich oder Sie. Aber, Gott traut denen zu, die an ihn glauben, Würze für die Welt zu sein.
„Ihr seid das Salz der Erde.“ wieso sagt Jesus das? Sollen Christen die Welt konservieren? Dann wäre die Menschheit nie vorangekommen. Vielleicht sollen sie gute Werte bewahren. Das kann ich mir schon besser vorstellen. Die Welt zu heilen, dieser Anspruch wäre vermessen. Aber sie könnten für den Heilungsprozess Voraussetzungen schaffen, z.B. zufriedener zu sein, auf die Stillen und Schwachen zu achten u.a.m. „Ihr seid das Salz der Erde“ sagt Jesus zu seinen Jüngern. Das sind die, die auf das hören, was Jesus sagt, die sich an Jesus ein Vorbild nehmen. Dabei traut er seinen Jüngern und Jüngerinnen etwas zu. Er traut ihnen zu, Stärken zu haben. Er traut ihnen zu in unserer Welt Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es nicht nur um die große Politik, sondern auch um den ganz normalen Alltag. Er traut seinen Anhängern und Anhängerinnen zu, in seinem den Menschen zugewandten Sinn zu handeln, vielleicht mit guten Ideen oder Kreativität oder einfach durch ihre (und damit unsere) Charaktere, eben durch Würze und Format.
Gott traut uns zu, in dieser Welt und für diese Welt etwas zu tun. Denn Salz ist eben doch wertvoller als Gold.
Ich wünsche Ihnen dabei gute Erfahrungen – vor allem die Erfahrung, Gott an Ihrer Seite zu wissen.
Amen.
Gebet
Gott, du schenkst deinen Geist
und die Kraft für das Gute.
Wir danken dir für unsere Lebenskraft.
Für einen wachen Verstand und ein mitfühlendes Herz.
Wir bitten dich,
bleibe bei allen,
denen die Kraft für den nächsten Tag fehlt.
Wir bitten dich,
schenke denen Geduld,
die keine Lösung sehen
und auf deinen Geist warten.
Wir bitten dich,
lass deine Freundlichkeit für alle wehen,
die das Lachen verlernt haben.
Wir bitten dich,
begeistere uns jeden Tag aufs Neue.
Für das Leben, für die Liebe.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Der Geist Gottes segne dich,
er schenke dir Freude an jedem Tag,
er rüstet dich aus mit Zuversicht.
Amen.
Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin
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