Andacht zum Sonntag Judika, 22. März 2026

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Andacht zum Sonntag Judika, 22. März 2026

21.03.2026

von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Liebe Leser und Leserinnen! 

Heute möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen.

Erwachsene Kinder lösen den Haushalt ihres verstorbenen Vaters auf. Im Schrank des Arbeitszimmers findet sich ein steinhartes und vertrocknetes Brot. Ratlos halten sie es in den Händen, drehen es hin und her. Was soll das? Aber ihre Tante kennt die Geschichte und erzählt sie. Kurz nach dem Krieg war der Vater schwer krank geworden. Alle rechneten damit, dass er nicht mehr gesund werden würde. In diese Situation hinein brachte ihm ein Freund ein halbes Brot. Der Vater dachte sich – ich sterbe sowieso. Deshalb verschenkte er das Brot an die Nachbarsfamilie. Aber auch die wollte das wertvolle Brot nicht behalten. Sie wussten, dass im Dachgeschoss eine alte Frau wohnte, die hatte doch sicher Hunger. Sie konnte das Brot viel besser gebrauchen. Die alte Frau freute sich – und gab das Brot an ihre Tochter weiter, die für ihre Kinder sorgen musste und die es schwer hatte in den Nachkriegsjahren. Die Tochter freute sich. Und dann fällt ihr der junge Mann ein, der sterbenskrank zu Hause liegt. Der sollte das Brot haben. So kam das Brot zurück zu seinem Ausgangspunkt. Die Tante erinnert sich sehr gut daran. Seitdem hatte der Vater das Brot aufbewahrt. Ein ganz normales halbes Brot, das durch viele Hände gegangen war. Es hatte viele satt gemacht, ohne dass sie davon gegessen hatten. Für den Vater war es zu etwas Wertvollem geworden, weil es davon erzählte, dass es Menschen gibt, die aneinander denken und füreinander da sind.

Vielleicht erinnern Sie sich auch an solche Zeiten, in denen Brot etwas sehr Wertvolles war. Meine Großeltern  erzählten mir oft, wie sie nach dem Krieg das Brot eingeteilt haben und man Lebensmittelkarten brauchte, um es überhaupt zu bekommen.

Als Jesus das letzte Mal mit seinen Freunden zusammengesessen hat, hat er mit ihnen gegessen und das Brot geteilt. Daran erinnern sich Christen, wenn sie miteinander Abendmahl feiern.

Er hat zu ihnen gesagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“

Wir haben genug zu essen. Gott sei Dank.

Gebet

Gott des Friedens,
wir danken dir für alles,
was du uns zum Leben gegeben hast:
Die Sonne und den Himmel,
die Erde und das erste Grün,
das tägliche Brot und sauberes Wasser,
Schutz und Sicherheit.

Gott der Barmherzigkeit,
wir bitten dich für alle,
die es schwer haben in dieser Zeit:
für die Müden und Mürben,
die Zornigen und Verzweifelten,
die Traurigen und Isolierten,
die Überlasteten und Erschöpften.

Gott der Stille,
wir danken dir für alles,
was unserer Seele hilft:
Momente des Innehaltens,
das trostreiche Wort,
die Musik.

Wir bitten dich:
Bleibe bei uns. Amen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Geht mit der Einsicht, dass Jesus euch bei eurem Namen
gerufen hat und ihr zu ihm gehört.
Geht mit der Absicht, ihm euren Dank zu sagen mit
Worten und Taten, mit Händen und Füßen.
Geht mit der Aussicht, dass Jesus bei euch ist
alle Tage bis an das Ende der Welt.
Es segne und begleite euch der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzliche Grüße
Katrin Hutzschenreuter

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