Andacht zum Sonntag Lätare, 10. März 2024

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Andacht zum Sonntag Lätare, 10. März 2024

10.03.2024

von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vor kurzem war ich in meiner Heimatstadt, Pfaffenhofen. Und ich war wieder einmal in der dortigen Spitalkirche zu Besuch. Eine Klosterkirche im Barockstil. Sie war die einstige Kirche des Krankenhauses und wurde von Franziskanerschwestern geistlich genutzt.

Ich bin hineingegangen, weil es dort eine Passions-Krippe gibt. Ich hatte davon in einer anderen Andacht berichtet. Ich war also ganz gespannt, welche biblische Szene mich dieses Mal erwarten würde: das Abendmahl? Jesus in Gethsemane? oder schon das Verhör vor den Hohepriestern oder Pontius Pilatus?

Ich näherte mich der Seitenkapelle. Kramte meine 50Cent heraus, ließ sie in den Opferstock fallen. Da auf einmal: Das Licht geht an, links oben ein Glöckchen aus einer nachgebauten kleinen Kapelle – ich kannte den Klang noch von der Weihnachtszeit her. Nun umrahmte das Läuten die großartige Szene im Mittelpunkt. Ich war völlig überrascht. Ein Szenenbild wie in einer Barockoper. In farbenfrohen orientalischen, neapolitanischen und alpenländischen Phantasiegewändern tafelte eine Hochzeitsgesellschaft mit bunt, goldenen aus Samt und Seide vor mir. Links eine Musikkapelle mit traditionellen Hirteninstrumenten: Dudelsack, Trommel, Schalmei. In der Mitte Braut und Bräutigam umgeben von ihren Verwandten und Freunden. Ich war verblüfft: im ersten Moment dachte ich ans Abendmahl…  aber eine Hochzeitsszene?… in der Passionszeit? Und dann der Blick nach rechts: Jesus steht vor großen Weinamphoren und streckt die Hände danach aus. Da wird es mir klar: die Szene stellt die Hochzeit zu Kana dar. Aber in der Passionszeit? Gar nicht Jerusalem sondern ein ganz anderer Ort. Nur im Johannesevangelium erwähnt. Relativ am Beginn von Jesu Wirken. Ich grüble: Jesus verwandelt Wasser in Wein. Das Klingeln… ja, schon das Gefühl vor einer Szene des Altarsakraments zu stehen. Eine klare Botschaft von den Krippengestaltern. Jesu erste Zeichenhandlung führt zu Jesu letzter Zeichenhandlung, dem Heiligen Abendmahl. Schon am Anfang verweist Jesus auf das, was am Ende kommen wird. Schon hier der Wein, der die Situation rettet und die Menschen erfreut. Und bis heute der Wein, in dem sich Jesus in seinem Blut den Menschen vergießt.

Ich weiß nicht, was Sie von Wundern halten. Wir sind ja in einer sehr rationalen, naturwissenschaftlich geprägt Zeit. Und dann auch noch in einer Stadt mit einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Universität. Wunder… Schulterzucken?… Belächeln?…

Für mich ein krasser Hinweis, ein Zeichen, das hier in der biblischen Geschichte passiert. Es reißt uns aus den bequemen Gewohnheiten heraus. Und dieses Zeichen verweist darauf, dass diese Welt nicht nur aus Zahlen und Naturgesetzen besteht. Es gibt auch die Gefühle, es gibt die Liebe zwischen zwei Eheleuten, die Freude über ein gelungenes Fest, ja und da ist Gott.

Die Geschichte von Kana verweist in der Spitalkirche meiner Heimatstadt Pfaffenhofen auf das Abendmahl. Und dann sind wir doch wieder in der Passionsgeschichte. Jesu Leid und Tod sind nah. Aber in Wort und Sakrament schenkt er sich immer wieder auf’s neue. Bis heute. Amen.

Gebet

Jesus Christus,
Du verwandelst Wasser in Wein,
Du schenkst Dich uns im Wein mit Deinem Blut,
Du bist ans Kreuz gegangen – für mich.
Wie kann ich das glauben?
Kann ich das glauben?
Schenke mir den Glauben!
Schenke mir die Einsicht: Du bist da.
Ja, und Du tust Wunder – ich kann sie nicht verstehen.
Aber wie sollte ich Dich auch verstehen, mein Gott?
Sei bei mir.
Amen.

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