Andacht zum Sonntag Okuli, 3. März 2024

Predigtarchiv

Andacht zum Sonntag Okuli, 3. März 2024

02.03.2024

von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Liebe Leserinnen und Leser,
Träume sind wichtig, um Geschehnisse des Tages zu verarbeiten. Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass wir verrückt werden würden, wenn wir ni cht träumen würden. Manchmal bin ich froh, wenn ich nach einem Traum aufwache, aber manchmal würde ich ganz gern noch weiter träumen und denke beim Aufwachen: Ach, es war ein Traum.
So ähnlich geht es dem König Salomo, der für seine Weisheit berühmt war. Auch seine Traumgeschichte erzählt die Bibel.
Wir begegnen Salomo in einer Lebensphase, in der er unsicher vor seiner neuen Aufgabe steht. Er ist König geworden. Sein Vater David hatte großes Gottvertrauen, und nun soll Salomo in seine Fußstapfen treten. Ab er er weiß nicht genau, wie er das machen soll. Was wird die Zukunft bringen? Wie kann er der Verantwortung für das Volk Israel gerecht werden? An diesem Punkt steht Salomo mit einer großen Tradition im Rücken und einer ungewissen Zukunft vor sich.
Was er jetzt braucht, ist eine klare Weisung, am besten direkt von Gott. Und so macht er es wie seine Vorfahren und geht auf Gott zu. An einem besonders heiligen Ort bringt er Opfer dar. Schließlich schläft er ein. Im Traum lässt sich Gott sehen. Er sagt zu Sa lomo: Bitte,was ich dir geben soll! Salomo hat einen Wunsch frei. Er überlegt eine Weile, antwortet nicht sofort. Er lässt sich Zeit zum Sortieren.
Schließlich antwortet er und bittet: Gib mir ein gehorsames Herz. Vielleicht kann man auch sagen gib mir e in hörendes Herz, das mir beim Unterscheiden von Gut und Böse hilft. Salomo war auch der oberste Richter seines Volkes. Er brauchte Verstand und Besonnenheit, um gereifte Entscheidungen zu treffen. Salomo bittet nicht um die Früchte, sondern um die Saat. Er wünscht sich ein hörendes Herz, mit dem er spüren kann, was geboten ist.
Dann kommt der Moment, als Salomo erwacht und erkennt es war ein Traum. Aber ihm ist klar, das es eine Gottesbegegnung war. Salomo hat erlebt, dass Gott erfahrbar ist und ihn auf seinem Weg nicht verlässt. Seine Gaben und Begabungen gedeihen, und er wird zu einem weisen Stifter von Gerechtigkeit und Frieden.
Träumt Gott eigentlich?
Der Bericht von der Erschaffung der Welt liest sich für mich wie ein Hymnus auf den Ursprung unseres Glaubens. Es ist, als hätte sich Gott damit einen Traum erfüllt. Himmel, Erde, Luft und Meer. Das helle Sonnenlicht. Der Mond, einmal schmale Sichel, dann wieder ein weiß schimmernder runder Ballon. Die Wälder, dunkel und dicht, oder lichtdurchflutet. Die Erhabenheit der Berge. Der Flug der Vögel, das Gewimmel der kleinen und großen Tiere an Land. Zuletzt verleiht Gott seiner größten Sehnsucht Gestalt.Er schafft den Menschen. Das tut er nicht, weil er einen Untertanen braucht. Er schafft den Menschen, weil er sich ein Gegenüber wünscht. Wie auch immer ein Lebensweg verlaufen mag - am Anfang steht der Traum Gottes.
Die Theologin Dorothee Sölle hat einmal geschrieben: „Du hast mich geträumt, mein Gott, wie ich den aufrechten Gang übe und niederknien lerne schöner als ich jetzt bin, glücklicher als ich mich traue freier als bei uns erlaubt.“
Diese Idee finde ich faszinierend. Ich bin die, die Gott sich erträumt hat. Sie sind ein Wunschtraum Gottes. Es tut gut, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Diese Welt ist von Gott gerecht, frei und geschwisterlich gedacht. Es ist an uns, uns dafür einzusetzen. Ich will mich erinnern, dass am Anfang eines jeden von uns die Sehnsucht Gottes nach einem freien und aufrechten Menschen steht. Ich bitte Gott, dass er nicht aufhört, uns zu träumen, wie Dorothee Sölle es formuliert hat:
„Hör nicht auf, mich zu träumen, Gott, ich will nicht aufhören mich zu erinnern, dass ich dein Baum bin, gepflanzt an den Wasserbächen des Lebens.“
AMEN.

Gott, manchmal traue ich mich nicht, deine Verheißungen zu betreten. Schenke mir Wagemut, dir zu vertrauen, öffne mir die Augen für Wolken und Feuersäule in meinem Leben. Lass mich entdecken: wohin ich auch gehe, du bist da.
AMEN.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
AMEN.

Segen
Es segne und es behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Herzliche Grüße
Ihre Katrin Hutzschenreuter, Prädikantin

 

 

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben