Andacht zum Sonntag Reminiscere - "Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit", 1. März 2026

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Andacht zum Sonntag Reminiscere - "Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit", 1. März 2026

28.02.2026

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Liebe Leser und Leserinnen!

Bekommen Sie gern Post? "Kommt drauf an", denken Sie vielleicht, oder "Briefe sind altmodisch." Im Briefkasten stecken nicht mehr so viele Briefe. Elektronische Post bekomme ich viel mehr. Aber ich schreibe tatsächlich noch mit der Hand an Menschen, die mir persönlich wertvoll sind. Ich will ihnennicht nur eine Information geben über amtliche Notwendigkeiten. Mit ihnen möchte ich mich austauschen oder ihnen auch etwas Ermutigendes schreiben. Manchmal denke ich dabei: "Hoffentlich versteht mich der Adressat/die Adressatin auch so, wie ich es meine." Es könnte passieren, dass gut gemeinte Worte anders ankommen, weil ihm oder ihr gerade etwas durch den Sinn geht, woran ich gar nicht gedacht habe. Dann besteht die Gefahr von Missverständnissen. Wenn es besonders knifflig ist, bete ich, dass Gott helfen möge. Mit Worten - geschrieben oder mündlich - ist das nicht immer so einfach.

In der Bibel finden wir viele Briefe. Das war das modernste Nachrichtenübertragungsmittel über lange Zeit. Sie wurden Menschen mitgegeben, die entweder geschickt wurden, oder ohnehin einen ähnlichen Weg hatten. Die Post dauerte etwas länger als heute. Der Apostel Paulus schrieb eifrig. Seine Briefe sind nicht mal eben schnell zu Papier - besser auf Papyrus - gebracht (oder in eine Mail oder einen digitalen Kommentar auf Social Media gepackt). Als er ca. 56 nach Christus an die Christen in Rom schreibt, hat er vor, in absehbarer Zeit nach Rom zu reisen, um die Gemeinde kennenzulernen. Er stellt ihnen schon einmal vor, was er von Gott und der Welt denkt. Denn darüber möchte er mit ihnen reden. Wie werden die Christen diesen Brief wohl gelesen haben? Hatten sie von Paulus schon mal gehört? Glaubten sie ähnlich wie er? Dem Brief ist abzuspüren, dass Paulus viel Mühe darauf verwendet hat. Je nach welcher Situation und Gefühlslage sich im Laufe der Jahrhunderte die Leser und Leserinnen befunden haben, ist ihnen etwas anderes wichtig geworden. Paulus schreibt im 5. Kapitel des Briefes:

Wir glauben an Gott, deshalb können wir uns sicher fühlen: jetzt, hier in unserem Alltag und auch in Zukunft, in Gottes Herrlichkeit. Diesen Frieden schenkt uns Jesus Christus. Weil wir an Jesus glauben, ist Gott gut mit uns. Gott schenkt uns Gnade. Wir dürfen hoffen, für immer mit Gott verbunden zu sein. Trotzdem erleben wir Schwieriges, Angst, Sorgen, Schmerzen. Gott schenke uns in solchen Situationen Geduld. Das macht uns stark, wenn wir in Bedrängnis sind. Wer das erlebt hat, kennt die Hoffnung, dass schwere Zeiten zu Ende gehen. Glauben heißt sich erinnern, wie gut es mit Gott schon einmal war. Die Hoffnung macht uns stark. Weil Gott uns liebt, ist er auch in unseren Herzen. Gott gibt uns seine gute Kraft, die stärker ist, als alle Kräfte. (Rö. 5,1-6; Übertragung in leichter Sprache; A. Kopp)

Wie kommt dieser Abschnitt heute bei Ihnen an? Vor etwa einem Jahr haben Anne Kopp, Bezirkskatechetin im Kirchenbezirk, und ich die Aufgabe übernommen, über genau diesen Text nachzudenken, um ihn für "Gemeinsame Predigttexte für Kinder und Erwachsene"[1] aufzubereiten - ein spannendes Projekt. Uns sind gewichtige Worte aufgefallen, mit denen Paulus ein Leben mit dem Glauben beschreibt: Frieden, Gerechtigkeit, Bedrängnis, Geduld, Gnade, Herrlichkeit und Hoffnung. Die meisten davon gehören zur Alltagssprache. Nach Frieden sehnen sich wohl fast alle Menschen. Dagegen ist "Bedrängnis" ein Wort, das heute kaum noch verwendet wird. Wir haben versucht, uns vorzustellen, wie Kinder dieses Gefühl der Enge beschreiben würden. Vielleicht würden sie erzählen von Situationen, in denen sie etwas Schlimmes erlebt haben, Angst hatten. Und was ist eigentlich "Gnade"? Das klingt in modernen Ohren ein bisschen wie Schwäche. Weil "ich" etwas nicht gut oder allein hinbekommen habe, "erweist mir jemand die Gnade", mir zu helfen. Heute ist hoch angesehen, wer keine Unterstützung braucht. Ich denke aber, das ist ein Trugschluss. Jeder Mensch, ob klein oder groß, ob stark oder nicht so stark, Sie oder ich, wir brauchen auch einmal Unterstützung. Und manchmal brauchen wir einfach nur die Hoffnung, dass Gott uns unterstützt.

Unseren Gottesdienstentwurf werden wir am Sonntag Reminiscere in einem Gottesdienst ausprobieren. Bei welchem der uns aufgefallenen Worte die Besucher und Besucherinnen wohl hängen bleiben? Anders als sonst in einem Gottesdienst, soll jede/r auch aufstehen, sich Stationen anschauen und sich dort auf unterschiedliche Art mit genau einem von diesen Themen beschäftigen. Vielleicht mit dem Wort "Hoffnung": Glauben heißt, sich erinnern, wie gut es mit Gott schon einmal war. Die Hoffnung macht uns stark. Weil Gott uns liebt, ist er auch in unseren Herzen. Gott gibt uns seine gute Kraft, die stärker ist, als alle Kräfte. Wer mag, darf sich persönlich segnen lassen. Sinnen Sie ein wenig darüber nach, was Sie für sich heute brauchen. Das ist Paulus in seinem Brief sehr wichtig.
Amen.

Gebet

Guter Gott,
lass uns erleben, wie sich Schmerz und Unglück in etwas Heilsames verwandeln. Gib uns die nötige Geduld dazu. Wir bitten dich für alle, die in Bedrängnis sind.
Hilf uns geduldig sein, wo es nicht so schnell geht, wie wir es gern hätten. Hilf uns aushalten, was gerade nicht zu ändern ist. Wir bitten dich für alle Kranken in unseren Familien.
Wir wünschen uns Frieden zwischen den großen Kontrahenten der Welt und wissen nicht, was wir tun können. Zeige uns Wege des Friedens, wo wir den ersten Schritt tun können.
Gib uns Hoffnung, Kraft und Mut für den Alltag. Stärke alle, die keine Ausweg mehr sehen, gib uns Aufmerksamkeit für einsame Menschen in unserer Nähe.
Sei uns gnädig und vergib uns, wo wir schuldig geworden sind. Lass auch uns gnädig sein, da wo wir Macht haben und wo Fehler passieren.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott segne und behüte dich heute und an jedem neuen Tag.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin


[1] https://tpi-moritzburg.de/materialien/gottesdienst-mit-kindern-und-familie

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