Andacht zum Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi), 11. Februar 2024

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Andacht zum Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi), 11. Februar 2024

10.02.2024

von Superintendentin Hiltrud Anacker

Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. (Amos 5,24)

Liebe Leserinnen und Leser!

Eine jüdische Legende erzählt:
Ein Weiser mit Namen Choni ging einmal über das Land und sah einen Mann, der einen Johan-nisbrotbrotbaum pflanzte. Er blieb bei ihm stehen und sah ihm zu und fragt: "Wann wird das Bäumchen wohl Früchte tragen?" Der Mann erwiderte: "In siebzig Jahren." Da sprach der Weise: "Du Tor! Denkst du, in siebzig Jahren noch zu leben und die Früchte deiner Arbeit zu genießen? Pflanze lieber einen Baum, der früher Früchte trägt, dass du dich ihrer erfreust im Leben." Der Mann aber hatte sein Werk vollendet und sah freudig darauf, und er antwortete: "Rabbi, als ich zur Welt kam, da fand ich Johannisbrotbäume und aß von ihnen, ohne dass ich sie gepflanzt hatte, denn das hatten meine Väter getan. Habe ich nun genossen, wo ich nicht gearbeitet habe, so will ich einen Baum pflanzen für meine Kinder, dass sie davon genießen."
Die Geschichte hört sich vordergründig wie eine Frage nach wirklicher Klugheit an. Es geht aber um viel mehr: Unser Leben konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. Was brauche ich heute. Unser Leben hat seinen Ursprung aber in der Vergangenheit. Unsere Eltern, Groß- und Urgroßeltern haben die Grundlage für unser Leben im Hier und Jetzt geschaffen. Und wie wir heute leben, bildet die Grundlage für das Leben derer, die nach uns geboren wurden. So empfängt jede Gene-ration und trägt zugleich Verantwortung für kommendes Leben. Dies hatte der weise Choni für einen Moment vergessen. Der Mann erinnert ihn daran. Er pflanzt, obwohl er weiß, dass er von den Früchten des Baumes nichts haben wird. Er lebt Gerechtigkeit, weil er an spätere denkt, wie er auch ernten kann von dem, was Vorfahren angebaut haben.
Das zum Beispiel stellt sich der alte Prophet Amos vor, wenn er spricht: "Es ströme Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach." Zuvor kritisiert er schroff die Got-tesdienste, die er in seinem Umfeld erlebt. "Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen", lässt er Gott sprechen. Im Gottesdienst fromm reden und im All-tag ganz anders leben, das ist heuchlerisch. "Es darf keinen Riss in unserem Leben geben zwi-schen Sonntag und Alltag. Wer sonntags Gott dient, hat das auch dienstags und mittwochs zu tun." (Michael Becker) Gott zu dienen, heißt auch, dankbar zu sein für Geschenktes und Verant-wortung zu übernehmen für Gegenwart und Zukunft. Wir leben eben nicht allein auf Gottes wei-ter Erde. Deshalb soll " das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach" strömen. Wie sieht das heute aus?
Amen.

Gebet
Barmherziger, wir fühlen uns geborgen bei dir,
wie in einer Burg.
Unsere Lebenszeit liegt in deinen Händen.
Unsere Füße durchmessen den weiten Raum,
in den du uns stellst.
Dir immer auf der Spur.
Fröhlich, getröstet und zuversichtlich.
Schenke uns dafür deinen Geist.
Lass dein Wort in uns wirken.
Heute und allezeit.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Es segne und behüte dich Gott, der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzlich grüßt Sie
Hiltrud Anacker, Superintendentin

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