25.04.2026
von Pfr. Dr. Gunnar Wiegand
Liebe Leser und Leserinnen!
Waren Sie schon einmal in der wunderschönen Stadt Venedig? … mit dem Canale Grande, den Brücken und charakteristischen Booten zwischen den verschiedenen Inseln. Wenn man am Molo gegenüber der Kirche San Giorgio Maggiore ankommt, passiert man eine Säule mit einem beflügelten Löwen und gelangt so auf den Markusplatz.
Ursprünglich eine Vision des Propheten Hesekiel (Hes 1,4-10), wurde der geflügelte Löwe Symbol für den Evangelisten Markus. Er ist der Schutzheilige der Stadt Venedig. Die Kathedrale ist dem Evangelisten Markus geweiht. Diese Säule weist darauf hin.
Am 25. April ist Tag des Evangelisten Markus. Sein Evangelium ist das kürzeste, das älteste und vielleicht das unmittelbarste. Markus wirft den Leser förmlich in die Lebensgeschichte Jesu hinein: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ Markus verzichtet auf die Kindheitsgeschichten, es gibt keinen Stammbaum. Das Evangelium beginnt mit einem Ruf zur Buße, zur Entscheidung, zum Aufbruch. Es lädt ein, Jesus zu vertrauen und als Christus zu erkennen.
Die Forschung sieht in Markus den Verfasser des ältesten Evangeliums, das später Matthäus und Lukas als Vorlage diente. Nach altkirchlicher Überlieferung wird er mit Johannes Markus identifiziert, einem Begleiter von Paulus und später wohl auch von Petrus, dessen Verkündigung er in Rom aufgezeichnet haben soll.
Doch was macht Markus für meinen Glauben heute bedeutsam? Jesus ist in Markus‘ Evangelium ständig unterwegs. Er zeigt uns Jesus als den Gott, der handelt. Gott, der zu den Menschen kommt, ihnen begegnet. Und zugleich zeigt Markus auch, dass der Weg Jesu ein Weg des Leidens ist. Er erzählt von Missverständnissen, Ablehnung, Angst. Aber gerade darin liegt die Kraft seines Evangeliums: Gott geht in die Tiefe menschlicher Erfahrung hinab, bis in die Dunkelheit des Kreuzes – und von dort führt er ins Leben. Markus nennt diese Geschichte „Evangelium“: gute Nachricht, frohe Botschaft. Sie ist stärker als Schmerz und Tod.
Für mich heißt das: Gott kommt auch mir entgegen und er kennt auch meine Sorgen… und damit der Apell: „Schau hin, wo Gott in deinem Leben handelt. Schau hin, wo Mut wächst, wo neue Anfänge möglich werden.“ So erzählt Markus von Jesus, gleichzeitig aber auch indirekt von uns selbst: Glauben, der unterwegs ist, der sucht, der vertraut, der durch Leiden geht… aber auch immer wieder neu beginnt.
Ich schlendere eine Runde über den Markusplatz, bewundere die byzantinischen Kuppeln des Doms… sie leuchten im Abendsonnenschein. Ich gehe zurück zur Mole, passiere dabei erneut die Markussäule… mein Blick schweift über den Canale… was für eine großartige Erinnerung an Jesus durch den Evangelisten, was für ein Spiegel meiner Seele.
Amen.
Gebet
Gott, unser Vater,
du hast Markus berufen, das Evangelium zu verkünden.
Stärke auch uns, dein Wort zu hören, zu leben und weiterzutragen.
Mach uns zu Menschen der Hoffnung und des Mutes.
Durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Es segne und behüte dich Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Herzlich grüßt Sie
Dr. Gunnar Wiegand, Pfarrer des Freiberger Doms
Kommentar hinzufügen
Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.