Mittagsandacht zum Gedenktag der Augsburgischen Konfession, 25. Juni 2024

Predigtarchiv

Mittagsandacht zum Gedenktag der Augsburgischen Konfession, 25. Juni 2024

25.06.2024

über Nehemia 8, 1 - 3.5 - 6.8 - 12; gehalten im Freiberger Dom von Pfr. Dr. Gunnar Wiegand

Liebe Gemeinde,

Kennen Sie dieses Gefühl: Sie wollen jemand überzeugen…. Vielleicht ein Bewerbungsverfahren… Sie hatten das Gespräch und nun müssen Sie vor der Türe warten. Werden Sie im neuen Betrieb genommen? Oder war der Aufwand vergebens, die neue sich öffnende Lebensperspektive wie weggewischt?

Ich stelle mir vor: mit diesem Gefühl hat Martin Luther am heutigen Tag vor 494 Jahren in der Veste Coburg gewartet. Kurfürst Johann von Sachsen war nach Augsburg gereist. Kaiser Karl V. hatte die Reichsstände aufgefordert ihre Positionen in Glaubensfragen darzulegen. Der Wittenberger Professor für Hebräisch, Philipp Melanchthon, hatte dazu den Text der Confessio Augustana vorgelegt. Diesen verlas der Kurfürst vor dem Kaiser und den versammelten Reichsständen. Der Ziele verfolgte der Kurfürst im Wesentlichen:

- An der Einheit der Kirche zu bauen. Die Wittenberger Gedanken als legitime Auffassungen der einen Kirche darzulegen – eine Kirche aus dem Evangelium und den altkirchlichen Bekenntnissen.

- Dadurch Anerkennung durch den Kaiser und das Reich zu bekommen.

- Den unter Reichsacht stehenden Martin Luther zu rehabilitieren.

Gelungen ist das nicht. Luther in Coburg vermutlich enttäusch, möglicherweise trotzig-inspiriert für künftige Schritte. Die Folge war ein Schutzbund, der Schmalkaldische Bund, aus verschiedenen deutschen Fürstentümern und freien Reichsstädten. Die Confessio Augustana wurde deren zentrale Bekenntnisgrundlage. Noch heute ist sie Bekenntnisschrift unserer Kirche und findet sich in Ausschnitten im Gesangbuch.

Ich habe ein geteiltes Verhältnis zu dieser Schrift: für mich war sie seit meiner Jugend ein wichtiger Bezugspunkt. An ihr habe ich immer wieder meinen Weg in die lutherische Kirche orientiert, meine christliche Haltung daran gemessen. Und immer wieder, wenn ich darin lese, freue ich mich über die klaren Orientierungspunkte: Evangelium, Sakramente, Glaubensbekenntnis, staatliche Ordnung, Willensfreiheit.

Dann aber sind da auch die Positionen mit denen ich heute auch durchaus hadere: Erbsündenlehre, die Gefahr einer übersteigerten Obrigkeitsauffassung, die im 20. Jahrhundert zur gesellschaftlichen Katastrophe des Nationalsozialismus geführt hat. 

Und zuletzt sehe ich auch, wie weit unsere kirchliche Wirklichkeit von diesen Idealen, für die die Menschen einst gebrannt haben, entfernt ist. Das macht mich traurig. Ist ihr Inhalt veraltet? Oder sind es die persönlichen Überzeugungen und Befindlichkeiten der Menschen, die der Confessio entgegenstehen? Warum lassen sich die Menschen nicht davon inspirieren, gehen auf Abstand? Sind es vielleicht die klaren Grenzen, die darin gegenüber den Reformierten, den Wiedertäufern und der katholischen Kirche aufgezogen sind? 

Ich erlebe ganz wunderbare, fruchttragengende Arbeit in unserem Freiberger Ökumenischen Arbeitskreis. Da spielen diese Differenzen kaum eine Rolle. Ja, dieser Kreis an Christen und Christinnen zeigt, dass sich die Verhältnisse doch gesellschaftlich sehr verschoben haben. Die Gläubigen der meisten Konfessionen sitzen gefühlt im gleichen Boot einer sie umgebenden religiös indifferenten Gesellschaft…. Eine Gesellschaft für die Gott und Kirche in weiten Teilen keine Rolle spielt.

Was würde heute ein Vertreter Wittenbergs in den Bundestag oder das Europaparlament geben? Würde er überhaupt noch auf seine religiösen Überzeugungen hin befragt werden? Wer würde auf diese Überzeugungen einer Confessio Augustana hören? Was müsste passieren, dass Menschen von diesen großartigen Gedanken Melanchthons inspiriert würden?

Nehemia gibt auf diese Fragen einige sympathische Antworten.

- Beherzt die Bibel des Alten (und Neuen) Testaments lesen

- Immer wieder gegenseitige Inspiration holen – im Gottesdienst, in der Gemeinde.

- Am Ende fröhlich feiern und das Bekennen zu unserem Gott – das ja die vordringliche Zielsetzung der Confessio Augustana vor dem Kaiser und dem Reichstag war – in die Welt tragen.

Amen.

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben