Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 14. April 2024

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Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), 14. April 2024

20.04.2024

über Johannes 10, 11 - 16; gehalten im Freiberger Dom von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand (anlässlich der „Woche für das Leben“ unter der Gottesdienstbeteiligung von Menschen mit Behinderung)

Gnade sei mit und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Stille…

Liebe Gemeinde,

plätscherndes Wasser… duftendes Öl aus Granatäpfeln… ein Teller von Trauben, Brot, Äpfel und Käse… ein Blumenstrauß mit einer Rose… eine leuchtende Sonne aus Ton… ein Glas Traubensaft… ein kräftiger Stock zum Aufstützen… wärmende Hände, Hände, die sich führen – ein großer Gedeckter Tisch. Einfache Dinge, sinnlich und gerade deswegen für mich so ansprechend. Das haben vorhin die Kerstin, Markus, Annerose, Andy und Ringo auf dem Tisch hier vorne zusammengetragen. Anna hat den Psalm gesprochen.

Für mich ganz sinnlich… das alles brauche ich zum Leben… ja noch mehr: es tut mir gut. Einladend, da will ich riechen, schmecken, anfassen, hinhören… einfach nur Freude.

Und das alles kommt von Gott. Er ist wie ein Hirte. Er lässt uns Menschen das spüren. So sagt es der Psalm 23.

„Ich bin der gute Hirte“ – sagt nun Jesus nach Johannes. In anderen Worten: all das Gute, das wir am Anfang zusammengetragen haben, kommt von Jesus selber.

„Ich bin der gute Hirte“ – sagt Jesus. Neben dem Psalm höre ich da noch eine andere Geschichte aus der Bibel. Im zweiten Buch Mose. Ein loderndes Feuer im Dornbusch. Mose davor. Er bekommt Angst. Was geschieht? Da kommt auf einmal eine Stimme aus dem brennenden Strauch: „Ich bin, der ich bin“ (Ex 3,14).

Sowohl der Beter des Psalms 23, als auch Mose waren in schwierigen Lebenslagen. Beide suchten nach Stärkung. Der Psalm gibt kraft durch das Gebet – vielleicht können Sie diesen Psalm ja sogar noch aus Ihrer Konfirmandenzeit auswendig. Mose hingegen sollte das Gottesvolk zusammenrufen und aus Ägypten führen. Hier gibt Gott selbst die Kraft durch seine Erscheinung im brennenden Dornbusch. Gott offenbarte sich ihm und versuchte ihn zu ermutigen, ihm Kraft für seine Aufgabe zu geben. Mose und das Gottesvolk folgten diesem Ruf. Und sie hatten Vertrauen in diesen Gott, der sich im brennenden Dornbusch offenbart hatte, der aber gleichzeitig durch seinen Namen „Ich bin, der ich bin“ so unantastbar, erhaben, distanziert war.

Bei Jesus ist das nun ganz anders. Hier offenbart sich Gott als „Ich bin der gute Hirte“. Gott wird auf einmal menschlich, fassbar in seiner menschlichen Natur. Diesem Hirten nehme ich die Fürsorge für die Herde viel besser ab. Und aus diesem Bild des Hirten leiten sich nun verschiedene Eigenschaften ab, die Jesus als Gottessohn ausmachen:

- Jesus Christus ist Hirte und damit Vorbild für alle Christinnen und Christen. Luther sagte einmal: das Hirtenamt haben alle getauften Christen inne, sofern sie sich durch ihre Fürsorge am Nächsten bewähren. Und ein Hirte soll sich als fürsorglicher Mensch in der Gemeinde auszeichnen. In anderen Worten: Christus ist für uns alle ein Vorbild und wir alle haben die Aufgabe uns umeinander zu sorgen.

- Jesus Christus trägt die Verantwortung. Diese Rolle des guten Hirten steht im Gegensatz zum Mietling – also demjenigen, der den Hirten als Gehilfe vertritt. Bei Johannes heißt es: 12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

Charismatischen Führern, ob geistlich oder weltlich, ist mit gesunder Skepsis zu begegnen. Jesus Christus ist der Hirte, der seine Schafe zusammenführt. Obwohl das sehr abstrakt klingt, ist es doch sehr konkret: im Gottesdienst wird sein Evangelium verkündigt im Gottesdienst feiern wir sein Sakrament in Taufe und Abendmahl. Hier ist Jesus Christus ganz sinnlich und erfahrbar bei uns. Und damit wird auch noch etwas deutlich: Jesus Christus ist es, der uns zusammenführt, niemand anderes. Wir gehören dazu, weil uns Christus aus Gnaden berufen hat. Wir können uns das Reich Gottes nicht selber bauen. Wir sind darauf angewiesen, dass uns Jesus Christus in Gnaden beschenkt.

- Jesus Christus ist der gute Hirte. Wir sind ja immer noch in der Osterzeit. Die Osterzeit ist eine Zeit der Freude – wie man sagt. Wir erinnern daran, dass Jesus vom Tod auferstanden ist. Wir haben durch unseren Glauben Anteil an die Auferstehung. Wir dürfen hoffen, dass auch wir auferstehen werden, oder wie es bei Johannes heißt: 27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

Mir zaubert diese Aussicht ein Lächeln auf die Lippen, ja lässt mich den Blick auf das Gute im Leben lenken. Bei mir ist das ja meistens die Musik. Z.B. wenn ich den Kinderchor höre: diese jungen Stimmen, noch ganz direkt, mal ein falscher Ton aber aus Herzenslust, Freude und Aufregung und trotzdem ganz geerdet… Oder vorhin die zarten Töne der Silbermannorgel während die Kinder, Jugendlichen und die Bewohner des Kretzschmarstifts überlegt haben, was ihnen am Psalm 23 gut tut.

Was ist das Gute in Ihrem Leben? Was macht ihnen Freude? Was zaubert Ihnen ein Lächeln auf die Lippen? Ich glaube hier ist Christus als guter Hirte ganz nahe bei Ihnen.

Und so stelle ich mir Christus als Schäfer vor: wir in unseren unterschiedlichen Lebensumfeldern. Und zu besonderen Momenten, so wie in diesem Gottesdienst, holt uns Jesus zusammen. Wir haben eine Besondere Gemeinschaft.

Plätscherndes Wasser… duftendes Öl aus Granatäpfeln… ein Teller von Trauben, Brot, Äpfel und Käse… ein Blumenstrauß mit einer Rose… eine leuchtende Sonne aus Ton… ein Glas Traubensaft… ein kräftiger Stock zum Aufstützen… wärmende Hände, Hände, die sich führen – ein großer Gedeckter Tisch. Einfache Dinge, sinnlich und gerade deswegen für mich so ansprechend. Das haben vorhin die Kerstin, Markus, Annerose, Andy und Ringo auf dem Tisch hier vorne zusammengetragen. Anna hat den Psalm gesprochen. Gleich tragen wir alles rüber in die Annenkapelle zum Agapemahl – einem gemeinschaftlichen Liebensmahl.

Wie schön, dass Sie hier sind. Wie schön, dass Sie sich auf die Gemeinschaft des guten Hirten einlassen. Lassen Sie sich immer wieder von dieser einzigartigen Gemeinschaft beschenken. Kommen Sie nachher zu unserem Agapemahl in die Annenkapelle.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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