Predigt zum Fest Tag der Darstellung des Herrn (Mariae Lichtmess), 1. Februar 2024

Predigtarchiv

Predigt zum Fest Tag der Darstellung des Herrn (Mariae Lichtmess), 1. Februar 2024

07.02.2024

zu Lukas 2, 22 - 35; gehalten von Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand im Seniorenheim RIU

Liebe Seniorinnen und Senioren, liebe Pflegerinnen und Pfleger,

mein Arzt ertappt mich immer wieder. Er kann aus dem Blutbild genau erkennen, ob ich z. B. an Weihnachten eine fette Gans gegessen habe oder ob ich an Silvester Alkohol getrunken habe. Der Untersuchung entgeht nichts. Irgendwie finde ich das immer ein wenig beängstigend wie gut er mich durchschauen kann. Dann aber finde ich das auch ziemlich gut und beruhigend. Denn ich weiß, auf so eine Untersuchung kann ich mich verlassen. Der durchschaut mich und weiß, was zu tun ist. Ich bin froh, dass ich einen zuverlässigen Arzt habe.

Vermutlich hatten Sie alle schon einmal eine Nachuntersuchung bei einem Arzt. Vielleicht war da – wenn Sie Frau sind – eine Schwangerschaft. Oder Sie hatten eine OP. Oder sie gehen ohnehin regelmäßig zum Doktor: Medikamente richtig einstellen, Körper durchchecken, schauen, wie man die Wehwehchen angehen kann.

Auch in der Bibel ist die Geschichte einer Art Nachuntersuchung überliefert. Na ja, man hat das damals noch nicht so genannt, aber es geht in diese Richtung. Wenn eine Frau eine Geburt hatte, musste sie nach einer gewissen Zeit (40 Tage nach Geburt eines Knaben) in den Tempel gehen und ein Reinigungsopfer durchführen. So hat es das Gesetz vorgeschrieben. Und man konnte so gleich noch Gott Danke für das neugeborene Kind sagen.

Maria hatte ja Jesus geboren. Das Lukasevangelium berichtet das. Später erzählt Lukas dann diese Reinigungsgeschichte. Wir erinnern daran am 2. Februar, dem Fest Mariae Lichtmess. Und damit endet auch die Weihnachtszeit.

Wer von Ihnen ein Kind auf die Welt gebracht hat, kennt die Nachuntersuchungen bei der Mutter. Wer schon einmal eine OP gehabt hat, kennt ja die Nachuntersuchungen an der jeweiligen Körperstelle. Da sind in der Regel die körperlichen Schmerzen, die erst langsam verklingen. Manchmal besteht die Gefahr, dass eine Wunde wieder aufgeht oder sich entzündet. Manchmal besteht die große Angst, dass die Krankheit wieder ausbricht. Es ist gut, dass es fachkundige Ärzte gibt, die den Heiligungsprozess begleiten und auch für beendet erklären. Aber sind wir denn wirklich geheilt? Bleibt da nicht immer ein Stückweit die Erinnerung an die OP, die Krankheit, die Wehen und die Schmerzen der Geburt? Bleibt da nicht immer ein Stück weit die Angst „es könnte ja wieder mal was kommen“?

Die Erzählung von Mariae Reinigung, der Jesu Darstellung im Tempel, endet ja mit diesem Simeon. Er wartet dort am Tempel wie bei einer Arztpraxis im Wartezimmer. Diesem Simeon war offenbar klar, dass wir eigentlich immer mit dieser Angst leben müssen. Aber er hatte die Hoffnung: „Dort am Tempel muss doch irgendwann einmal wirklich Schluss sein mit dieser Angst“ – „es kann doch nicht sein, dass immer wieder Opfer gebracht werden und diese Angst kein Ende hat.“ Und dann sieht er Maria mit Jesus. Und da hat er das Gefühl: „Endlich ist es vorbei mit der Angst.“ Dieser Jesus da bringt Heil, das über so eine Nachuntersuchung, über so eine Reinigung hinausgeht. Und er singt ein wunderbares Lied (Lukas 2, 29 - 32):

»Herr, jetzt kann dein Diener in Frieden sterben,
wie du es versprochen hast.
Denn mit eigenen Augen habe ich gesehen:
Von dir kommt die Rettung.
Alle Welt soll sie sehen –
ein Licht, das für die Völker leuchtet
und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt
über deinem Volk Israel.« 

- Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Heilung Ihrer Gebrechen

- Ich wünsche Ihnen aber auch diese Einsicht des Simeon: Jesus sehen. Jesus macht uns frei von der Angst, die über unsere Nachuntersuchungen hinausgeht. Jesus ist der Retter.

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben