Predigt zum letzten Sonntag nach Epiphanias, 28. Januar 2024

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Predigt zum letzten Sonntag nach Epiphanias, 28. Januar 2024

03.02.2024

zu 2. Korinther 4, 6 - 10; gehalten von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes bitten.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.

Liebe Schwestern und Brüder,
viele unserer Gremien und Ausschüsse befassen sich mit der Frage, wie es gelingen kann, die christliche Botschaft besser unter die Leute zu bringen. Es werden Überlegungen angestellt, wie die Menschen erreicht und gebunden werden können. Brauchen wir andere Gottesdienstformate? Andere Gottesdienstzeiten? Was können wir tun, damit Gemeinde gelingt?

Vor vielen Jahren musste sich der Apostel Paulus mit sehr kritischen Stimmen auseinander setzen. Es gab zur gleichen Zeit auch andere Prediger, die scheinbar viel erfolgreicher waren, viel mehr Menschen ansprachen und binden konnten und vor allem ein besseres Auftreten als Paulus hatten.

Paulus war kein guter Redner und äußerlich schwach.

Wie konnte er in dieser Zerbrechlichkeit überzeugend die Kraft Gottes vertreten?

Inmitten dieser angespannten Situation schreibt Paulus einen zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth.

Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen alle Zeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.

Licht soll aus der Finsternis hervorgehen, schreibt Paulus. Als er vom Saulus zum Paulus wurde, umleuchtete ihn ein Licht vom Himmel, das ihn drei Tage lang erblinden ließ.

Licht. Gott sprach: es werde Licht. Und es wurde Licht.

Licht. Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen, scheint es hell.

Licht. Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt.Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Licht und Gott, Licht und Glauben gehören zusammen. Aber das Licht ist nur zu erkennen, wenn es auch Dunkelheiten gibt. Zur Offenbarung Gottes in der Welt gehören immer wieder diese Spannungen.

Licht und Dunkelheit
Neugeborener König in einem Stall
Gottessohn und Kreuz.

Gott gibt sich in die Welt, in die Dunkelheit, in die Not und das Leid. Er nimmt es auf sich. So macht er die Dunkelheit der Welt hell. Durchleuchtet, erleuchtet sie, macht sie aber nicht weg.

Gott wird Mensch. Er gibt uns seinen Schatz in irdene Gefäße.

Die Jünger Jesus sind keine herausragenden Menschen. Nicht besonders schön, nicht besonders intelligent, nicht besonders reich. Sie sind irdene Gefäße für die Sache Gottes.

Sie sind erfasst vom Licht und vertrauen auf das Licht, lassen sich erfassen trotz aller Schwäche – und leuchten.

Viele folgen. Darunter Paulus, dem vorgeworfen wird, nicht überzeugend genug zu sein. Herausragende Persönlichkeiten sind darunter, die in die Geschichte eingegangen sind.

Aber vor allem sind diese irdenen Gefäße Menschen wir du und ich. Zerbrechlich. Mit Glaubenskraft und Zweifel. Mit Stärken und Schwächen. So ist der Schatz Gottes da. Wird weitergetragen. Erleuchtet und durchleuchtet die Finsternisse der Welt.

Und auch wir leben weiterhin in diesen Spannungen der Welt, mit allen Fragen, mit der Suche nach Antworten, mit Sorgen, mit Fehlern, aber auch mit Freuden und Erfolgen. Vor allem aber leben wir mit dem Licht und der Kraft Gottes in unseren Herzen. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.

Liebe Schwestern und Brüder, das ist es, so denke ich, das unseren Glauben ausmacht. In der Bibel wird nicht in erster Linie von Glaubenshelden berichtet, sondern von Menschen, die ihren Weg mit Gott gehen. Sie gehen ihn inmitten aller Verstrickungen, Aufgaben, Freuden und Verfehlungen. Und Gott hält an seinen geliebten Menschen fest. Durch Jesus Christus ist er mitten unter uns. Er ist das Licht in der Finsternis. Die Fragen, der Tod, das Leid – sie sind nicht weg. Aber Gott ist das Licht in der Finsternis. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das ist unser Halt. Darauf können wir vertrauen und unser Leben bauen. Das ist Evangelium. Das ist eine Einladung, offen und mit Freiraum. Eine Freiheit, die dadurch geschenkt ist, dass Gott uns Menschen mit allen Fehlern annimmt. Während wir noch nach der eigenen Mitte suchen, hat er uns längst gefunden. Im Vertrauen darauf ist Leben in Freiheit möglich. Das ist ein wahres Gottesgeschenk. Daraus erwächst aber auch Verantwortung. Wir sind immer wieder neu gefragt, uns mit unserem Glauben auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen zu den aktuellen Fragen und Herausforderungen  unserer Zeit. In uns selbst tragen wir den Schatz, um das zu schaffen und Licht in die Welt zu bringen. Gott gab uns seine Kraft in irdene Gefäße.

Jeden Morgen gießt Gott von Neuem seiner Welt Sonne ins Angesicht und sagt zu ihr: Du meine Schöpfung. Jeden Morgen weckt der Ewige von Neuem Leben in uns und sagt zu uns: Ihr meine Wohnung. An jedem Morgen blickt der Vater dem Auferstandenen Christus ins Angesicht und sagt zu ihm: Du mein Sohn. An jedem Ostermorgen wischt Gott die Tränen weg und sagt zu uns: Ihr meine Kinder.

Gott spricht sein Lichtwort hinein in das Chaos der Welt und in die Dunkelheit unserer Herzen und in das Grau unserer Seelen.

Gott spricht sein schöpferisches Wort wieder und wieder, immer wieder wird es Licht. Bis in alle Ewigkeit.

AMEN.

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