Predigt zum Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi), 27. Februar 2022

Predigtarchiv

Predigt zum Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi), 27. Februar 2022

27.02.2022

zu Markus 8, 31 - 38; gehalten von Pfr. Justus Geilhufe

Liebe Brüder und Schwestern!
Der Evangelist Markus macht zwei Dinge unmissverständlich klar.
Dass Jesus sterben musste. Es ist kein Zufall, dass Jesus am Ende am Kreuz hing. Sondern die einzige Möglichkeit, weil Jesus, der Mensch, der Gott ist, die Liebe ist. Und die „Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treib nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig“
...und sie sucht nicht das ihre...Die Liebe, die Jesus ist, sucht nie das ihre. Sie guckt nie darauf, was ihr gehört, sondern sie schaut darauf, was dem Leben der anderen dient...Wer so ist, endet in dieser Welt am Kreuz aber er zeigt der ganzen Welt auch, wie ihr Schöpfer und Erlöser ist, wie der Grund dieser Welt ist...nämlich Liebe.
Angesichts dieser Einsicht, angesichts dieses Wunders Gottes...merkt der Evangelist Markus ein zweites an...Dass wir nur leben, wenn wir mit ihm sterben. Dass wir nur leben, wenn wir wie er nicht auf das unsere schauen, wenn wir wie er nicht eifern, uns nicht aufblähen, langmütig und freundlich sind...und nicht das unsere suchen....
Jesus macht uns deutlich, dass wir unser Leben nicht gewinnen können. Wir leben nur, wenn wir es um seinetwillen, um des Evangeliums willen verlieren.
So sind sein Tod, sein Leben und unser Leben in dem was wir Nachfolge von uns Christen nennen miteinander verbunden.
Wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s behalten...
Und ich sehe Maximilian Kolbe vor mir wie er für einen jungen Familienvater in die Hungerzelle geht und dort verhungert, um Jesu willen, dass dieser Mensch leben kann...
Diese Geschichten sind eindrücklich:
Sie machen Mut. Weil sie zeigen, zu was Menschen angesichts des Elends, angesichts des Unrechts in der Lage sind. Sie zeigen, dass es Menschen gibt, die nachfolgen können...
Und diese Menschen, Bonhoeffer, Kolbe, Elser, Sophie Scholl, Hans Scholl zeigen aber gleichzeitig alles das, was wir heute hier, Sie...ich...nicht machen.
Und das ist schmerzhaft, das ist beschämend zu merken. Zu sehen, was wir alles nicht machen, wenn in einem europäischen Land, das näher liegt als unsere jährlichen Urlaubsziele Krieg ausbricht...
Wie sie alle habe ich am Freitagabend zuhause gesessen und gedacht ich müsste eigentlich auch in die Ukraine...Wenn nicht jetzt...Und ich kann es nicht. Weil meine Frau krank ist, meine Kinder klein, meine Gemeinde hier und und und... Aber in der Ukraine gibt es unzählige Männer, deren Frau krank, deren Kinder klein, deren Gemeine dort und und und...
Ich merke: Ich verliere mein Leben nicht...ich bleibe vielmehr dort wo es sicher und warm ist...Wir alle bleiben dort wo es sicher und warm ist...
Das tut weh und muss weggedrängt werden....Deshalb werden wir, zumindest ich, sehr laut im Empören, Aufrufen, Verurteilen...Aber die Empörung ist nur ein umgekehrter Narzissmus...Er zeigt, für wen wir uns halten, während wir uns nicht eingestehen können, wer wir wirklich sind.
So blähen wir uns auf...werden ungeduldig, treiben Mutwillen und eifern...
Und das sollten wir anerkennen. Erkennen wir an, wie wir uns aufblähen, wie ungeduldig wir eifern! Und seien wir deshalb zuallererst still...Das ist angesichts des Unrechts das geschieht für uns hier zunächst das Anständigste, was wir tun können.
Und in der Stille können wir uns dann fragen, wie das Leben von Jesus und wie sein Sterben unser Leben und Sterben werden kann. Fragen wir uns also heute Früh und heute Abend: Was ist Nachfolge für mich hier und heute angesichts einer Welt im Krieg. Angesichts eines Krieges ganz nah bei uns...
Und wir merken...es ist nichts was wir tun können, sondern, was Jesus hier tut. Wir merken, dass es seine Liebe ist, die wir wirken lassen müssen. Er bläht sich nicht auf, er sucht nicht das seine, er eifert nicht...Und das sehen wir. Wir sehen, was er tut. In den Menschen, die sich selbst verleugnen und das Kreuz auf sich nehmen.
Aber sehen sie nicht auf diese Menschen. So kommen wir unter Druck und fangen an zu eifern und sich aufzublähen. Aber das ist keine Nachfolge...Sehen sie ihn darin! Sehen sie Jesus, wie er den Hebammen in der Ubahnstation Kievs Kraft gibt. Sehen Jesus in den Ordensschwestern in Charkiv, die die Waisen zu sich holen und mit ihnen im Keller ausharren...Sehen sie die Liebe Jesu in den polnischen, rumänischen, moldavischen, den Dresdner Freiwilligen, die jetzt in den Osten fahren, um irgendetwas zu tun.
Dass es diese Menschen gibt zeigt, dass das Gute in der Welt nicht aufhört. Die Liebe wirkt, dass diese Menschen da sind. Diese Menschen zeigen: er lebt, er wirkt - er ist in der Ubahn in Kiev, in der die Kinder nun geboren werden müssen. Und sie leben. So wie er lebt.
Er lebt! Er lebt! Das sehen wir jetzt durch einem Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht!
Amen.

alle Predigten


Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Felder mit Stern (*) müssen ausgefüllt werden.

nach oben