Wochenandacht für die 3. Januarwoche 2024

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Wochenandacht für die 3. Januarwoche 2024

20.01.2024

von Prädikantin Katrin Hutzschenreuter

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Neshumele. Geliebte kleine Seele. Das ist der Kosename eines jüdischen Großvaters für seine Enkelin. An jedem Freitagnachmittag besucht sie ihn. Zuerst trinken sie Tee aus dem großen silbernen Samowar.
Dann zündet der Großvater zwei Kerzen an. Die Enkelin tritt zu ihm. Er legt ihr die Hände auf und segnet sie. Das tut er sehr ausführlich. Und jedes Mal ist das Mädchen gespannt, was sie heute über sich selbst erfahren wird.
Woche für Woche preist der alte Mann Gott dafür, dass es seine Neshumele gibt. In den höchsten Tönen lobt er sie vor dem Angesicht des Höchsten. Wo sie gescheitert ist, stellt er ihr großes Bemühen in den Vordergrund. Er hebt ihren Mut hervor, auch wenn er nur kurz andauerte.
Und durch seine Sicht auf das, was sie erlebt hat, sieht auch die Enkelin sich selbst mit neuen Augen.
Der Leistungsdruck, dem sie sonst ausgesetzt ist, fällt von ihr ab. Nie fragt der Großvater, ob sie genug getan und sich ausreichend angestrengt hat. Sie ist da. Das ist genug.
Der Segen des Großvaters bleibt bei dem Mädchen, auch als er stirbt. Er hat sie signiert und mit seiner Liebe gezeichnet. So sagt es der lateinische Begriff Signum, von dem unser Wort Segen stammt. Als habe er ihr ein „Herzlich willkommen“ eingeprägt.
Und sie, Neshumele, hat seine Sicht auf sich selbst verinnerlicht. So ist der Großvater ein Teil von ihr geworden. Seine Stimme, die immer neu formuliert hat, wie schön es ist, dass sie da ist, wohnt nun in ihr. Sein Segen wird sie wärmen. Ein Leben lang.

Viele Jahre ist es her, dass ich diese Erzählung von Rachel Naomi Remen zum ersten Mal gelesen habe. Seitdem habe ich sie nicht vergessen. Es ist, als ob sie den Segen des Großvaters weiter reicht, damit er auch anderen Menschen einen neuen Blick auf sich eröffnet. Sein Handeln war voller Liebe.
Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Diese Worte aus einem Brief an die Gemeinde in Korinth stehen über diesem noch jungen Jahr. Der Großvater hat genau das getan.
Ich vergewissere mich: Unverrückbar steht Segen über meinem Leben, eine Signatur, die hinausreicht über die Zeit. Eine geliebte Seele bin ich. Herzlich willkommen.
Amen.

Gebet
Guter Gott, lass meine Liebe nicht ins Leere gehen. Lass sie einen Ort finden, wo sie wachsen und werden kann, so wie du sie meinst.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Zu Hause in der Liebe zu sein, das wünsche ich dir.
Du bist willkommen, jederzeit.
Hier warten Wärme und Licht.
Von den Schultern fällt, was dich bedrückt und bitter macht.
Ausruhen darfst du, bis neue Kräfte in dir wachsen.
Die Liebe überdauert Raum und Zeit und bleibt dein Zuhause für immer.
Denn die Liebe geht niemals aus.
Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Herzliche Grüße - Ihre Katrin Hutzschenreuter, Prädikantin

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